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Arbeitsmarktchancen von BBW-Absolventen

Gute Ausbildung zahlt sich auch ökonomisch aus 

Lautlos schwebt die sechs Meter lange und zwei Tonnen schwere Stahlplatte durch den Raum, setzt sanft auf und gleitet ins Innere einer gewaltigen Maschine, die Mario Naumann gekonnt bedient. Der 37-jährige einstige Absolvent des Berufsbildungswerks Bethel (BBW) arbeitet trotz Epilepsie seit zwölf Jahren erfolgreich auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe."

 

Für seine berufliche Laufbahn wurde Mario Naumann im Berufsbildungswerk Bethel gut vorbereitet. Auf den Abschluss als Metallarbeiter folgte die qualifiziertere Form, der Metallbauer. Heute lebt der gebürtige Dessauer in Bielefeld, ist verheiratet und zweifacher Vater. Seine Epilepsie hat er mittlerweile im Griff, dank wirksamer Medikation ist er seit Jahren anfallsfrei. „Im BBW habe ich viel gelernt, sicher nicht weniger als in einem Ausbildungsbetrieb in der freien Wirtschaft", ist er überzeugt. „Schließlich fand unsere Prüfung auch vor der Handwerkskammer statt."

1999 machte Mario Naumann seinen Abschluss im Berufsbildungswerk Bethel. Dass er danach nur einen Monat arbeitslos war, freut ihn noch heute. Denn nach einem Praktikum wurde er von der Firma Danne Laserschneidservice in eine Festanstellung übernommen. In dem ostwestfälischen Unternehmen werden Metallteile für Kunden aus ganz Europa zugeschnitten, vom handtellergroßen Winkel bis zur Baggerschaufel. Für passgenaue Arbeit sorgt ein feiner Laserstrahl mit einem Zehntelmillimeter Durchmesser. Diese komplexe computergesteuerte Maschine, groß wie ein Wohnwagen, hat Mario Naumann souverän im Griff. Sein Chef ist zufrieden mit ihm. „Ein guter und zuverlässiger Mitarbeiter", lobt Betriebsleiter Josef Spieker.

Mario Naumanns Werdegang ist kein Einzelfall. Das belegt jetzt auch eine umfangreiche Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, das volkswirtschaftliche Effekte der Ausbildung junger Menschen mit Behinderung untersuchte. Befragt wurden 1 500 Rehabilitanden vom Zeitpunkt ihres Abschlusses bis zehn Jahre danach, gewichtet nach Ausbildungsberufen, Geschlecht, Regionen und Abgangsjahren. Die Zahlen der Untersuchung sprechen eine eindeutige Sprache: Nach einem Jahrzehnt zahlt der BBW-Absolvent die in ihn investierte Fördersumme mit seinen Steuerabgaben zurück. Er verdient monatlich 300 Euro mehr als eine Vergleichsgruppe ohne BBW-Ausbildung. Geht man von einer Berufstätigkeit bis zum 60. Lebensjahr aus, bringt die Investition in seine Ausbildung sogar eine „Rendite" von 11,7 Prozent. 

In Bethel schafft ein hoher Anteil der insgesamt rund 180 BBW-Teilnehmenden ihren Ausbildungsabschluss – „im ersten Durchlauf", wie BBW-Leiter Bernd Krey betont. 2009 waren es 83 Prozent, im vergangenen Jahr sogar 90 Prozent. Auf den ersten Arbeitsmarkt konnten zwischen 35 und 40 Prozent dauerhaft vermittelt werden. „Diese spezialisierte und intensiv begleitete Ausbildung erfordert einen hohen finanziellen Aufwand, der vom Kostenträger zunehmend hinterfragt wird", sagt Bernd Krey. „Doch der Aufwand lohnt."

Die vollständige Studie ist im Internet unter www.bagbbw.de (Stichwort Wirtschaft, Veröffentlichungen) nachzulesen.

 

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