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Einer der ersten Zivildienstleistenden in Deutschland kehrte an seinen Dienstort zurück

In Bethel schließt sich der Kreis der Zivildienstgeschichte

Forschend und interessiert guckt sich Tjeerd de Jong Posthumus vor dem Eingang der Sennekanzlei in Bielefeld-Eckardtsheim um. Auf den ersten Blick habe sich nicht allzu viel verändert im Vergleich zu damals, bemerkt er. Und auch beim Gang durch das Gebäude erinnert den mittlerweile 73-jährigen aus dem lippischen Detmold noch einiges an seine Zeit als Zivildienstleistender im ehemaligen „Senne Jugendheim“.

Die frühere Jugendhilfe-Einrichtung gibt es schon lange nicht mehr. Heute befinden sich in dem Haus unter anderem Büros des Personalbereichs und die Fahrdienste. Tjeerd de Jong Posthumus war damals „Mädchen für alles“, wie er heute erzählt. Das Arbeitszimmer neben dem Haupteingang, in dem er viel Zeit verbrachte, gibt es noch, allerdings ist das Fenster aus irgendeinem Grund zugemauert. „Ich war für das Innenleben hier zuständig und habe aufgepasst, dass keiner der Jugendlichen abhaut, was hin und wieder vorkam“, erinnert er sich mit einem Augenzwinkern.

 

Auf Spurensuche: In Bethel und in Bielefeld-Eckardtsheim erinnerte sich Tjeerd de Jong Posthumus zurück an seine Zivildienstzeit.
Auf Spurensuche: In Bethel und in Bielefeld-Eckardtsheim erinnerte sich Tjeerd de Jong Posthumus zurück an seine Zivildienstzeit.
Begleitet von einem Fernsehteam besuchte Tjeerd de Jong Posthumus seine alten Dienstorte.
Begleitet von einem Fernsehteam besuchte Tjeerd de Jong Posthumus seine alten Dienstorte.

 

Tjeerd de Jong Posthumus gehörte zu den ersten Zivildienstleistenden in Deutschland, die 1961 ihren Dienst in Bethel antraten. In Begleitung eines Fernsehteams, das einen Bericht über das Ende des Wehrdienstes und des Zivildienstes machte, besuchte er jetzt seine alte Wirkungsstätte. Zu seinen Stationen gehörte aber auch das Haus Nazareth in Bethel, wo er damals mit den anderen Zivildienstleistenden offiziell zum Dienstantritt erscheinen musste.

Aus pazifistischen Gründen hatte Tjeerd de Jong Posthumus den Wehrdienst verweigert – was damals kein leichtes Unterfangen war. „Ich erinnere mich noch genau an die Prüfungskommission. Die haben mich wirklich auf Herz und Nieren und auf mein Gewissen geprüft. Aber ich war natürlich darauf vorbereitet. Es gab früher sogar Vereine für Kriegsdienstverweigerer, die einem geholfen haben, sich inhaltlich und sprachlich auf die Situation vorzubereiten“, berichtet er.

Bethel war mit zeitweise bis zu 350 Plätzen bundesweit eine der größten Zivildienst-Einrichtungen. Da Bethel auch in Zukunft nicht auf die Unterstützung und das Engagement junger Menschen verzichten will, hat das diakonische Unternehmen frühzeitig alternative Modelle entwickelt und bietet seit zehn Jahren das „Betheljahr“ als Freiwilliges Soziales Jahr an.

Das „Betheljahr“ ähnelt bereits dem zukünftigen Bundesfreiwilligendienst und wird beide Freiwilligendienste integrieren. Bereits heute nehmen 285 junge Frauen und Männer an dem „Betheljahr“ teil – die Nachfrage für das Angebot ist größer als die zur Verfügung stehenden Plätze, weitere sind geplant. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen das „Betheljahr“ zur beruflichen Orientierung oder um sich sozial zu engagieren. Die Förderung der sozialen Intelligenz ist ein wichtiger Aspekt im „Betheljahr“.

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