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24.06.2015

Bethel und die Fürsorgeerziehung in der Bundesrepublik der 50er und 60er Jahre

Freistatt galt in den 1950er und 1960er Jahren als eine der härtesten Einrichtungen der Jugendfürsorgeerziehung in der Bundesrepublik. Die „Fürsorgezöglinge“ waren repressiven Erziehungsmethoden ausgeliefert und mussten schwerste Arbeit im Moor bei der Torfgewinnung leisten, waren Gewalt und Unrecht ausgesetzt.

Die kritische Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Heimkinder begann in der Bundesrepublik mit dem Buch von Peter Wensierski „Schläge im Namen des Herrn!“, das 2006 erschien. Kurz darauf hatte Bethel ihn nach Freistatt zum Gespräch und zur Lesung aus seinem Buch eingeladen; er war mehrfach in Freistatt. Das Wensierski-Buch war für Bethel ein weiterer Anlass, sich kritisch mit der eigenen Fürsorgeerziehung auseinanderzusetzen.

Buch zur Fürsorgeerziehung in Freistatt

Unter dem Titel „Endstation Freistatt“ ist 2009 die Aufarbeitung der Freistätter Heimkinder-Geschichte erschienen. Mit dem Buch wird zum ersten Mal eine wissenschaftlich fundierte historische Untersuchung über die Fürsorgeerziehung in einer diakonischen Einrichtung veröffentlicht. Das Buch ist das Ergebnis einer gut zweijährigen Forschungsarbeit und wird von Prof. Dr. Matthias Benad von der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel sowie den Betheler Historikern Dr. Hans-Walter Schmuhl und Kerstin Stockhecke herausgegeben.

In dem Buch stehen neben der wissenschaftlichen Darstellung und Aufarbeitung der Quellen auch die Aussagen und Einschätzungen ehemaliger Betroffener. Etwa 7 000 Jungen wurden zwischen 1949 und 1974 in Freistatt erzogen. Die Erinnerungen ehemaliger Zöglinge skizzieren ein düsteres Bild vom damaligen Alltagsleben.

„Die Fürsorgeerziehung in den 1950er und 1960er Jahren geschah auch in den Betheler Einrichtungen in einem System, das häufig von Gewalt, Einschüchterung und Angst geprägt war. (…) Die Ergebnisse, die in dem vorliegenden Buch vorgestellt werden, bestätigen die erschütternden Erzählungen der Heimkinder zu einem großen Teil. So steht mit Erscheinen dieses Buches außer Frage, dass unter dem Namen Bethels junge Menschen unter den Bedingungen des Heimlebens gelitten haben. Dafür bitte ich im Namen Bethels in aller Form um Entschuldigung und von Herzen um Vergebung.“ So schreibt Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl 2009 in seinem Geleitwort zu dem Buch „Endstation Freistatt“.

Weitere Informationen zum Buch gibt es hier

 

 

Fotos: Bethel

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