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14.10.2015

Erster Entedank-Empfang in Freistatt


Begegnung beim Erntedank-Empfang in Freistatt (v.l.): Bethel im Norden-Geschäftsführer Luise Turowski und Pastor Christian Sundermann, Markus Pragal, Christian Armborst, Bethel im Norden-Schirmherrin Dunja McAllister, Christine Rieffel-Braune und Bethel im Norden-Geschäftsführerin Stefanie Schwinge-Fahlberg. Fotos: Ingolf Semper

 

Inklusive Gesellschaft braucht Zeit

Die Förderung der Inklusion und der gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen durch die Sozialhilfeträger könnten künftig deutlich begrenzt werden durch die Erfordernisse, die die Zuwanderung derzeit an die öffentlichen Haushalte stellt. Das jedenfalls sieht der Präsident des niedersächsischen Landesamtes für Soziales, Jugend und Familie, Christian Armborst: „Die öffentliche Diskussion über Inklusion ist jetzt durch die Debatte um die Zuwanderung nach hinten gerückt.“ Das werde wohl auch einen Abschied von Leistungen bedeuten, auf jeden Fall aber seien keine Leistungssteigerungen möglich, betonte Christian Armborst beim Empfang zum Erntedank der Diakonie Freistatt.

In die Moorkirche der Betheler Einrichtung im Landkreis Diepholz waren jetzt rund 100 Gäste zum Austausch über die Herausforderungen in der sozialen Entwicklung gekommen. Mit Skepsis blickte der niedersächsische Sozialexperte auf die für 2017 geplante Novellierung der Sozialgesetzgebung durch die Bundesregierung: „Wir müssen beobachten, was dabei die Personenzentrierung statt der Einrichtungszentrierung bedeutet. Und wenn die Fachleistungen für einen unterstützungsbedürftigen Menschen und dessen Existenzsicherung von unterschiedlichen Anbietern kommen, können damit Risiken verbunden sein“, so Christian Armborst. Inklusion müsse helfen, die konkreten Lebenspläne des Einzelnen zu verwirklichen. Auf keinen Fall dürfe die Politik zu viel versprechen.

Christian Armbrost
Christine Rieffel-Braune

 

Zur besseren Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention will der Landkreis Diepholz jetzt einen „Aktionsplan Inklusion“ erarbeiten. Das erklärte Kreisrat Markus Pragal vom Landkreis Diepholz. Er wies darauf hin, dass Inklusion im ländlichen Raum schwerer zu erreichen sei, als in städtischen Strukturen. „Das Miteinander aller Beteiligten ist einfach schwieriger zu organisieren“, so Pragal. Die soziale Entwicklung im ländlichen Raum sei künftig besonders durch die demographische Entwicklung geprägt; mehr Pflegebedürftigen stünden weniger Pflegekräften gegenüber, es gebe deutlich weniger Erwerbspersonen, die Steuern zahlten und die Verkehrsinfrastruktur sei in den meisten Regionen ausgedünnt. „Voraussetzung für adäquate soziale Hilfe ist eine funktionsfähige Infrastruktur von der Schule über Pflegedienste bis hin zum öffentlichen Personennahverkehr“, so Kreisrat Pragal.

Bethel im Norden-Geschäftsführer Pastor Christian Sundermann warnte bei dem Empfang vor einer Einschränkung der Leistungen für Arme und Bedürftige aufgrund der aktuellen Anforderungen in der Zuwanderung. Sonst seien gesellschaftliche Spannungen vorprogrammiert. „Und wir dürfen nicht vergessen“, so Pastor Sundermann, „jetzt geht es aktuell nur um die Aufnahme, die ungleich größere Aufgabe ist aber hinterher die Integration derjenigen, die bleiben können und wollen.“

In ihrer Begrüßung bezeichnete Bethel-Vorstand Christine Rieffel-Braune das Engagement Bethels für Flüchtlinge als außerordentlich wichtig. In allen Regionen würde dafür Kompetenz von der Medizin über die Jugendhilfe bis hin zur Psychiatrie zur Verfügung gestellt. „Vielfach bitten uns auch die Behörden um Unterstützung.“ Christine Rieffel-Braune bezeichnete die Inklusion als große Betheler und gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Die inklusive Gesellschaft gibt es nicht von heute auf morgen, sie muss wachsen.“

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