v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen

Internationale Fachtagung in Bielefeld

Die Autismus-Expertinnen Doris Deckers (l.) und Rositta Symalla veranstalten die Autea-Tagung.
Großes Interesse: Die Veranstaltung in der Ravensberger Spinnerei war ausgebucht.
Mit der Referentin Ros Blackburn beteiligt sich auch eine Frau mit Autismus an der Veranstaltung. Fotos: Paul Schulz
Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen benötigen eine klar strukturierte, ruhige Umgebung. Foto: Reinhard Elbracht

Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Autismus

Passiv, introvertiert, unerreichbar – diese Attribute werden Menschen mit Autismus oft zugeordnet. Doch es gibt zahlreiche und sehr unterschiedliche Ausprägungen dieser tiefgreifenden Entwicklungsstörung. „Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen“ lautet der Titel der internationalen Fachtagung Autea (26. und 27. April in der Ravensberger Spinnerei, Bielefeld), die sich schwerpunktmäßig einem zurzeit in der Fachwelt intensiv diskutieren Thema widmet. Veranstalter ist die Autea gGmbH, ein Fortbildungsinstitut, das von den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und dem Sozialwerk St.Georg, Gelsenkirchen, getragen wird.

„Als herausfordernd gelten Verhaltensweisen, die als sehr schwierig empfunden werden, etwa Aggressionen oder selbst verletzendes Verhalten“, sagt Autea-Geschäftsführerin Rositta Symalla. „Oft wird dieses Verhalten als böswillig und zielgerichtet interpretiert. Dabei es ist fast immer Ausdruck einer Überforderung.“ Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen haben Schwierigkeiten, die auf sie einströmenden Reize zu verarbeiten oder auch nur zu ertragen. Sie erkennen nicht die Gefühle, Wünsche und Erwartungen ihrer Mitmenschen und können daher nur schwer auf diese angemessen eingehen. Zudem bereitet es ihnen Probleme, eigene Wünsche und Bedürfnisse angemessen mittzuteilen oder selbst Lösungen für neue Situationen zu entwickeln. All dies führt dazu, dass sie viele Situationen, die für andere Menschen unproblematisch oder gar angenehm sind, als Stress erleben und entsprechend reagieren.

„Durch Rahmenbedingungen, die den Schwierigkeiten der Betroffenen angepasst sind, kann die Häufigkeit von herausforderndem Verhalten deutlich gesenkt werden“, betont Rositta Symalla. Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen benötigen eine klar strukturierte, ruhige Umgebung, vorhersehbare Ereignisse und eine explizite Erläuterung von Erwartungen und Anforderungen. „Komplexe soziale Situationen müssen vereinfacht und aufgelöst werden“, erläutert die Betheler Psychologin. Allerdings sei die tatsächliche Lebenssituation für viele Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen stark von Stress und Überforderung geprägt. „Die Schere zwischen Kosten und Refinanzierung geht immer weiter auseinander. Personalkürzungen und damit eine schlechtere Betreuung der Menschen mit Behinderung sind die Folge“, so Rositta Symalla.

Auf der diesjährigen Tagung von Autea diskutieren Fachleute aus England, Belgien, der Ukraine und den USA Ansatzpunkte für einen angemessenen Umgang mit herausforderndem Verhalten. Mit der Referentin Ros Blackburn beteiligt sich auch eine Frau mit Autismus an der Veranstaltung. Sie bringt den nicht-autistischen Teilnehmern der Tagung ihre Innensicht des Problems nahe. Die hohe Relevanz des Themas belegt auch das Interesse der 350 Teilnehmer: Die Autea-Tagung ist bereits seit längerem ausgebucht.

© 2018 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel