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„Arbeiten für Gottes Lohn – Wie die Kirche ihre Sonderrechte ausnutzt“

ARD, 28. Januar 2013, 22.45 – 23.30h

Die Beschäftigung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit gleicher Ausbildung in der gleichen Aufgabe zu unterschiedlichen Löhnen ist in Bethel entstanden durch die Fusion der Krankenhäuser Gilead/Mara mit dem Johanneskrankenhaus. In letzterem wurde nach AVR (Arbeitsvertragsrichtlinien) bezahlt, in den Bethel-Häusern nach BAT-KF (Bundesangestelltentarifvertrag-kirchliche Fassung). Die zwischenzeitliche Einführung des AVR geschah für neue Mitarbeitende in Bethel, um jüngere Beschäftigte besser zu stellen (höheres Gehalt in den Anfangsjahren/geringere Steigerung im Laufe des Berufslebens).

Insgesamt gibt es in Bethel eine sehr hohe Tarifbindung; die gilt für über 90 Prozent aller Beschäftigten. Eine hohe Arbeitszufriedenheit und eine sehr geringe Fluktuation der Beschäftigten – Ergebnis der letzten Mitarbeitenden Befragung 2011 – sind Tatsachen, die die Tendenz in der Berichterstattung der Sendung deutlich werden lassen. Bei der Befragung 2011 zeigten sich 79 Prozent der Beschäftigten mit ihrer Aufgabe oder Tätigkeit gut zufrieden; 68 Prozent der Mitarbeitenden würden wieder einen Arbeitsplatz in Bethel wählen. Die Arbeitsbedingungen bewerteten 64 Prozent ohne Einschränkung als positiv.

Sogenannte Leiharbeit durch die Bethel-Tochterfirma DiZ (Dienstleistung Zeitarbeit) gibt es nur in sehr geringem Umfang. Dort sind rund 45 Personen angestellt, das bedeutet 0,24 Prozent der rund 16.700 Bethel-Beschäftigten. Die DiZ-Mitarbeitenden, die feste Dauerarbeitsverträge nach dem DGB-Tarif für Zeitarbeit haben, werden vor allem als „Springer“ in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen Bethels eingesetzt. Sie decken Beschäftigungsspitzen ab, kommen bei kurzfristiger Krankheit anderer Mitarbeiter zum Einsatz oder bei Krankheitswellen der Bewohner, die einen erhöhten Pflegebedarf auslösen. Sie sind tariflich und von den Arbeitsbedingungen besser gestellt als Beschäftigte privater Leiharbeitsfirmen. Die Mitarbeitenden sind häufig gering qualifiziert oder ungelernt und werden angelernt. Sie befinden sich häufig in einer beruflichen Neuorientierung/im Wiedereinstieg etc. oder in Zwischenphasen von

Ausbildung und Arbeit. Regelmäßig werden von Bethel-Einrichtungen DiZ-Mitarbeitende in feste Arbeitsverhältnisse übernommen. Seit Oktober 2012 hat die DiZ in Absprache

mit der Mitarbeitervertretung eine eigene MAV (Mitarbeitervertretung). Die Einrichtung der DiZ fand bei ihrer Gründung 2005 in Abstimmung mit der MAV statt. Es wurde zwischen Vorstand und MAV eine maximale Beschäftigungsquote/Obergrenze für Leiharbeiter von 5 Prozent der Gesamtmitarbeiterschaft festgelegt.

Die angesprochenen Gehaltsunterschiede in der Physiotherapie des EvKB sind bei 17 der rund 50 Mitarbeitenden vorhanden. Die 17 sind später zu marktüblichen Konditionen eingestellt worden; die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden nach der Krankenhausfusion in der Physiotherapie zu ihrem bisherigen Gehalt übernommen. In der Physiotherapie gibt es einen Betriebsrat, der in Abstimmung mit der MAV eingerichtet wurde. Ferner sind alle Veränderungen im EvKB, die durch die Fusion/Krankenhausgründung notwendig wurden, mit der MAV abgestimmt und von ihr mitgetragen worden. In dem gesamten Veränderungsprozess hat es keine betriebsbedingten Kündigungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegeben. Seit August 2012 gibt es Gesprächsangebote der Klinik-Geschäftsführung mit dem Ziel die Gehälter anzugleichen. Betriebsrat und Physiotherapie-Mitarbeitende können sich aber offensichtlich nicht auf eine Linie verständigen, sodass bisher keine substanziellen Gespräche zustande kamen. Intendiert war, ab Anfang 2013 höhere Gehälter zu zahlen.

In der TV-Sendung wurden auch die Bethel betreffenden Zahlen teilweise falsch wiedergegeben. So engagieren sich die rund 16.700 Beschäftigten in rund 250 Einrichtungen und Diensten in sieben Bundesländern (nicht in nur 50 Einrichtungen!).

Ferner war sehr undifferenziert von Kirche und Diakonie die Rede. Finanziell ist Bethel völlig unabhängig von der Ev. Kirche. Die Refinanzierung erfolgt zu rund 80 Prozent über Krankenkassen, Pflegekassen, Sozialhilfe und Krankenhausfördermittel. Die übrigen Mittel sind vor allem betriebliche Erträge, Betriebsmittelzuschüsse sowie Spenden und Nachlässe.

Leider wurde in der immerhin 45-minütigen Sendung nicht die Chance genutzt, über die gesellschaftlichen Grundbedingungen der Arbeit der Wohlfahrtsverbände zu informieren, über den politisch seit Mitte der 1990er Jahre gewollten Wettbewerb zwischen privaten und freigemeinnützigen Trägern oder über das Subsidiaritätsprinzip, das die bewährte Grundlage der sozialen Marktwirtschaft für Deutschland darstellt.

Aufgrund der bei der Recherche der Redaktion erkennbaren Tendenzen haben auch das Diakonische Werk der EKD und die EKD selbst keine Interviews für die Sendung gegeben. Die Angebote, zunächst einmal in Hintergrundgesprächen über die Zusammenhänge zu informieren, hatte die Redaktion abgelehnt.

 

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