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Gebrauchte Polizeiuniformen für Tansania

Im Container in die Usambaraberge

Bald ist der Sammelcontainer voll. Dann wird der Inhalt umgeladen und über die Meere nach Tansania verschifft. Mit auf die Reise gehen Computer, eine Waschmaschine, Ultraschallgeräte und  - über 5000 Polizeiuniformen. „Anfang des Jahres bekamen wir die Uniformen. Aber wir durften sie nicht verschiffen. Erst mussten die Abzeichen entfernt werden“, sagt Rüdiger Wormsbecher, Betriebsleiter der Brockensammlung. Er hatte die Ware entgegengenommen. Aber wer will schon freiwillig 5000 Hoheitszeichen abtrennen? 

Medikamentenausgabe in der Psychiatrischen Klinik Lutindi.
Medikamentenausgabe in der Psychiatrischen Klinik Lutindi.

„Ich dachte vor allem an die Diakonissen in den Feierabendhäusern“, sagt Helmut Scholten. Darüber hinaus fragte er Freunde, Nachbarn und Bekannte, und schaffte es tatsächlich, rund 60 Helferinnen und ein paar Helfer zu gewinnen. „Wir haben im Umkreis von Bielefeld sämtliche Nahttrenner aufgekauft und verteilt. Anfang des Jahres ging es dann los“, so Diakon Scholten. Die Uniformen sind eine Spende der Landespolizei Nordrhein-Westfalen. Die  grün-beigen Hosen, Jacken und Pullover werden nicht mehr gebraucht. Die Polizisten tragen jetzt blau. Die Kleider sollen nach Tansania geschickt werden. Sie sind für die Patienten im Psychiatrischen Krankenhaus Lutindi in Tansania bestimmt, das mit Bethel kooperiert.  

Barbara und Werner Blauth (1.u. 2.v.l.) sind begeistert. Die Uniformen sind wie neu. Helmut Scholten (r.) und Artur Linder organisierten die „Hohheitszeichen-Abtrenn-Aktion".
Barbara und Werner Blauth (1.u. 2.v.l.) sind begeistert. Die Uniformen sind wie neu. Helmut Scholten (r.) und Artur Linder organisierten die „Hohheitszeichen-Abtrenn-Aktion".

Für die Diakone Helmut Scholten und Artur Linder wurde die Uniformaktion zur Herzensangelegenheit. Säckeweise haben die beiden die Kleider aus dem Sammelcontainer abgeholt und verteilt. „Kaum war ich eine Runde gefahren, wurde wieder Nachschub eingefordert“, erzählt Helmut Scholten schmunzelnd. Zwei Mal pro Woche habe er seine „Subunternehmerinnen“ beliefern müssen. „Sie waren mit so viel Freude und Engagement dabei.“ Selbst Artur Linder packte zwischenzeitlich das Abtrennfieber. Als seine Frau Marta wieder einmal Nähte durchtrennte, wollte er mitmachen. „Aber sie hatte nur einen einzigen Nahttrenner im Haus“, beschwert sich Artur Linder mit einem Augenzwinkern. Nie und nimmer hätte seine Frau geglaubt, dass er sich mit über siebzig plötzlich fürs Handarbeiten interessieren könnte.

Drei Monate im Jahr ist es oben in den Usambarabergen bitterkalt. Die warmen Pullover sind für die Patienten ein Segen.
Drei Monate im Jahr ist es oben in den Usambarabergen bitterkalt. Die warmen Pullover sind für die Patienten ein Segen.

Die fleißigen Helferinnen und Helfer haben großartige Arbeit geleistet. Alle Abzeichen sind ab. Werner und Barbara Blauth sind begeistert. Sie werden dafür sorgen, dass die Kleidungsstücke im Lutindi Mental Hospital ankommen. „Die Qualität der Pullover ist unschlagbar“, betont Barbara Blauth. „Man kann sie sogar kochen.“ Oben in den Wolken der Usambaraberge, wo sich die Klinik befindet, ist es drei Monate im Jahr feucht und bitterkalt. „Die meisten Patienten haben keine passende Bekleidung, denn sie kommen aus Regionen, in denen es warm ist“, so Barbara Blauth. Sie und ihr Mann arbeiten seit fünf Monaten in Tansania. Zurzeit machen sie Urlaub in Deutschland und organisieren den Transport von Spenden in das ostafrikanische Land.  

Das Ehepaar Blauth lebte Ende der 1980er Jahre schon einmal für fünf Jahre in Tansania. Zwei ihrer vier bereits erwachsenen Kinder sind dort geboren. Auch Diakon Scholten kam vor 75 Jahren in Tansania zur Welt. Die Liebe zum Land ist geblieben. Das ist ein Grund, weshalb er mit viel Leidenschaft die Abtrenn-Aktion organisiert hat. Und er organisiert schon wieder. Diesmal sucht er keine älteren, fleißigen Damen sondern junge, kräftige Männer, die zupacken können. Denn Ende Mai werden die Spenden vom Sammelcontainer in den Schiffscontainer umgeladen.

Fotos: Reinhard Elbracht

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