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150 Jahre Diakoniestiftung Lazarus in Berlin

Ein Spiegelbild Deutscher Geschichte

Pastor Wilhelm Moritz Boegehold und sein Leitsatz.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war geprägt von der Industrialisierung. Die Schornsteine wuchsen in den Himmel und die Städte platzten aus den Nähten. Als Wilhelm Moritz Boegehold 1863 eine Pfarrstelle in  Berlin übernahm, war er fassungslos über das Elend in seiner neuen Gemeinde. Viele Menschen litten unter Mangelernährung und mussten in Kellerwohnungen vegetieren. Das Schlimmste aber war, dass es keine Krankenversorgung für sie gab. Darum sammelte er Spenden, um ein Krankenhaus bauen zu lassen. Der Grundstein des Lazaruskrankenhauses wurde vor 150 Jahren gelegt.

Das Krankenhaus in der Mitte Berlins wurde zwischen 1866 und 1945 vier Mal in Kriegsgeschehen einbezogen. Mehrmals diente es als Lazarett für verwundete Soldaten. Im zweiten Weltkrieg wurde die Hauptstadt schwer bombardiert. Auch das Lazarus-Krankenhaus wurde getroffen. Erst 1950 nach dem Wiederaufbau konnte der Operationsbetrieb aufgenommen werden. Elf Jahre später waren die Mitarbeitenden im Krankenhaus wieder unmittelbare Zeugen einer tiefgreifenden politischen Entscheidung.  

Der Krankensaal auf der Frauenstation um 1900.
In den Trümmern von Berlin: Schwester Hannelore und die Kinder der Golgatha-Gemeinde.
Gottesdienst in der Lazarus-Kapelle.

Am 13. August 1961 marschierten bewaffnete Volkspolizisten auf und sperrten die Bernauer Straße ab, die Adresse des Lazarushauses. Die gegenüberliegende Straßenseite wurde mit Stacheldraht gesichert. Das Krankenhaus und das Mutterhaus der Diakonissen blieben im Westsektor. Aber mehr als die Hälfte der Schwestern arbeitete in Kindergärten und Krankenhäusern im Osten der Stadt. Von jetzt auf gleich waren sie abgeschnitten und konnten nicht mehr zurück.

Die gegenüberliegende Seite vom Mutterhaus war ab 1961 Ost-Berlin.

Aus den Häusern auf der gegenüberliegenden Straßenseite sprangen die DDR-Flüchtlinge in den Westen. Die Schwerverletzten wurden direkt ins Lazaruskrankenhaus gebracht. Doch für viele kam jede Hilfe zu spät. Heute erinnert die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße an die Toten, die beim Versuch zu fliehen, umgekommen waren. Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal betreibt an diesem geschichtsträchtigen Ort ein integratives Café mit Blick auf die Überreste der Mauer. Seit 2012 gehört die Lazarus Diakonie zu Lobetal und damit zu Bethel. Deshalb wehen drei Fahnen vor dem Haus, für Lazarus, Bethel und Lobetal.

Fotos: Historisches Archiv Lobetal

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