v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
26.03.2010

Betheler Mamre-Patmos-Schüler bekommen flauschigen Besuch


Gespannt beobachtet Zoe das Küken. Am liebsten würde sie es mit nach Hause nehmen.

Ein perfekt getarnter Federball. Gerade mal 40 Gramm wiegen die Zwerg-Plymouth Küken.

So macht Schule noch mehr Spaß finden: Henna Berta, der kleine Marvin, Wilfried Detering, Antonio, Julia Wohlers und Bjarne (v. li.)

Henne Berta brütet auf dem Flur 

Bielefeld-Bethel. Henne Berta wartet auf dem Pausenflur. Stumm hockt sie auf ihrem Nest. Doch all ihr Brüten nutzt nichts, denn Berta ist nur ein strubbeliges Stofftier. Trotzdem dringt aus dem runden Pappkarton, der direkt neben ihr steht, ein zaghaftes Piepsen und ein leises Scharren und Kratzen. „Psst. Wenn ihr ganz leise seid, dann könnt ihr hier was hören!“, schwört Lehrerin Julia Wohlers die Kinder ein. Netter Versuch, wenn die gesamte Unterstufe der Betheler Marme-Patmos-Schule im Kreis zusammensitzt und alle darauf warten, dass endlich der Deckel vom Karton gehoben wird.  

Schon seit Wochen stand auf dem Stundenplan der Elefantenklasse das Thema Huhn. Gemeinsam bastelten die Kinder bunte Osterkarten und verzierten sie mit Eierschalen und grünem Bast. Selbstkomponierte Hühnerlieder wurden gesungen und Bilder gemalt. Auf einem Bio-Hof konnte erkundet werden, wie sich die Tiere in der Natur verhalten und die Kinder machten sich auf die Eier-Suche, lange vor Ostern.  

Das bunte Programm der Klasse entspricht dem besonderen Konzept der Betheler Förderschule. An ihr werden Kinder mit völlig unterschiedlichen Behinderungen gemeinsam unterrichtet und alle sollen davon profitieren. So ist es ganz selbstverständlich, dass Kinder, die sich gut bewegen können, ihre Klassenkameraden im Rollstuhl auf dem Pausenhof schieben und ihnen helfen. Jana aus der Elefantenklasse wurde sogar in den Hühnerstall getragen. „Das war gut“, erzählt Jana und guckt dabei noch immer gespannt auf den runden Karton. Jetzt ist der Deckel ab. Rund zwei Dutzend flauschige Federbällchen kuscheln sich aneinander.  

Die Küken gehören Wilfried Detering. Der vielfach ausgezeichnete Bielefelder Rassegeflügelzüchter ist gern in Kindergärten oder Grundschulen zu Gast mit seinen Tieren. „Die Kinder sollen die Natur besser kennenlernen“, sagt er. Erst drei Tage alt sind die kleinen Zwerg-Plymouth-Hühner, die er in seinem runden Karton mitgebracht hat. „Mit der Kiste war ich sogar in Südafrika“, erzählt er den staunenden Kindern. Und auch mit Prinz Charles habe er schon Fachgespräche über die Hühnerzucht geführt, verrät Detering.  

Doch bei allen Ausführungen über den Ursprung der Tiere, ihre Entwicklung und Besonderheiten quält die Kinder eine Frage brennend: „Dürfen wir die jetzt mal anfassen?“ Sonderschulpädagogin Julia Wohlers fragt in die Runde: „Was glaubt ihr denn, wie sich so ein Küken anfühlt?“ Ein kleiner Dötz antwortet beherzt: „Schwarz. Tatsächlich haben die Zwerg-Plymouth-Hühner ein dunkles Gefieder, aber ob sich das anders anfühlt? Der Karton macht die Runde. Jeder will die Küken streicheln. Ein paar sind ausgebüchst. Die Kinder legen sich vor sie auf den Teppich und alle Gickeln und Gockeln wie im Hühnerstall. Die Pausenglocke läutet - aber wen interessiert das schon, bei diesem Unterricht.


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