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150 Jahre Bethel – feiern unterm Zirkuszelt

Artisten, Fakire und Emotionen

Begeisternd, bezaubernd, berührend! Für den Auftritt der Menschen mit und ohne Behinderungen im Circus Roncalli fanden die Zuschauerinnen und Zuschauer nur lobende Worte. 80 Artistinnen und Artisten aus den vier „Bethel-Hauptstädten“ Bielefeld, Dortmund, Hannover und Berlin hatten ihnen ein kurzweiliges Programm mit Jonglage, Clownerie und Akrobatik geboten. Durch die Show führte Henning Krautmacher, Sänger der Kölner Gruppe „Höhner“. Er hatte die Artistinnen und Artisten schon bei der Generalprobe kennengelernt, und konnte den 1500 Besucherinnen und Besuchern im Zirkuszelt die ein oder andere nette Randnotiz erzählen. 

Da ist zum Beispiel die Geschichte von Thomas Lihl aus der Dortmunder Gruppe. Zuerst war sich niemand sicher, ob dem Mann, der wegen epileptischer Anfälle einen Helm tragen muss, der Zirkus überhaupt gefällt. Bei einem schweren Unfall hat er sich schwere Gehirnverletzungen zugezogen und kann seitdem nicht mehr sprechen. „Am zweiten Probentag hat er dem Trainer Erik den Hut vom Kopf genommen und ihn auf seinen Helm gesetzt“, so der Moderator. Nach diesem Schabernack war klar, Thomas Lihl tut die Zirkusluft gut.

Und dann hieß es „Manege frei“ für die Dortmunder. Die Männer und Frauen aus Witten, Paderborn, Hamm und Hagen – niemand kam aus Dortmund - trugen schwarz-gelb und hatten sich rote Clownsnasen aufgesetzt. Sie bauten Menschenpyramiden, wobei einer über den anderen nach oben kletterte, um dann, sich nur mit einem Arm festhaltend, ins Publikum zu winken. Höhenangst kannte auch die Gruppe aus Hannover nicht. Die Schülerinnen und Schüler des Birkenhof Bildungszentrums zeigten zum Beispiel Akrobatik auf Leitern und Balanceakte auf Laufkugel und Tonne.

Bange Momente durchlebte Thomas Stünkel. Er war in der Berliner Nummer für die Produktion von Riesenseifenblasen zuständig. Doch bei der Generalprobe platzte der Seifenfilm ohne Blasen zu bilden. So musste in aller Eile eine neue Rezeptur hergestellt werden. Und mit der gelang es, die Manege, in der Jongleurinnen und Jongleure zu träumerischer Musik Teller auf Stäben drehten, mit schillernden, wabernden Kugeln zu verzaubern. „Chapeau Berlin“, gratulierte daraufhin der Moderator Henning Krautmacher.

Auch Bielefeld war mit einer Gruppe vertreten. Sie sorgten nach der Pause für eine Show mit Spannungsmomenten. Wagemutige Fakire stiegen mit bloßen Füßen in Scherben und auf ein Nagelbrett. Mit dem Luftballontest und einem Augenzwinkern konnte bewiesen werden, dass die Stifte wirklich spitz waren. Auch am Trapez machten die Bielefelder eine gute Figur. Eine Artistin traute sich sogar auf der Schaukel ihrem Partner auf die Schultern zu steigen.

Viel Applaus bekamen die Bethel-Artisten vom Publikum. Und die strahlten um die Wette. Auch die Zirkuspädagogen Erik Werner, Jarry Seedorf-Harth und Sebas Inaty, die viele Stunden mit ihnen trainiert hatten, waren voll des Lobes. Und so sah man nach der Premiere, die die einzige Vorstellung sein wird, auch die ein oder andere Träne fließen. Der Seiltänzer Antonio Cordelis konnte nicht fassen, dass das alles wirklich passiert war. „Ich hätte niemals geglaubt, dass wir so viel Applaus bekommen würden“, sagte er gerührt.

 

Fotos: Reinhard Elbracht, Christian Weische / Film: Matthias Cremer

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