v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
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1920 bis 1940 - Weimarer Republik und NS-Diktatur

Mai 1920
Eröffnung einer Schule für 120 Jungen und Mädchen. Die Schule diente als Unterstufe für die verschiedenen höheren Schulen der Stadt und sollte eine evangelische Erziehung der Kinder gewährleisten.

21. 6.1921
Die schon 1904 begonnen Maßnahmen zur Umgestaltung der Leitungs- und Verwaltungsstruktur gipfeln im Beschluss zur Bildung des Anstaltsbundes zwischen Bethel, Sarepta und Nazareth. Die v. Bodelschwinghschen Anstalten sind entstanden. Von da an bezeichnen sich die drei Stiftungen Bethel, Sarepta und Nazareth als v. Bodelschwinghsche Anstalten.

1921
Errichtung von Wolgastationen. Weil in dieser Zeit in Russland eine Hungersnot herrschte hatten sich viele russlanddeutsche Familien auf den Weg nach Norden gemacht. Viele Kinder verloren dabei ihre Eltern. Als sich die deutschen Behörden zur Aufnahme der Flüchtlinge bereiterklärten nahmen Bethel und Hoffnungstal Frauen mit Kindern oder Waisen auf. Bei vielen Kindern fehlen die Geburtsdaten. Die Jungen erhalten deshalb als Geburtsdatum den 6.3. (Geburtstag Vater Bodelschwinghs) und die Mädchen den 20.2. (den Geburtstag von Frieda v. Bodelschwingh).

1922
Bethel-Filmstelle gegründet.

14.6.1924
Erster Deutscher Evangelischer Kirchentag. Veranstaltungen im Assapheum und in den Sarepta-Schulen. Gottesdienste in der Waldkirche. Gedächtnisfeier am Grabe Vater Bodelschwinghs.

1925
Pastor Fritz von Bodelschwingh reist als Vertreter Bethels zur Stockholmer ökumenischen Konferenz "Life and Work" für praktisches Christentum.

Ostern 1926
Eröffnung der Aufbauschule für Jungen ab dem 13. Lebensjahr.

24.9.1927
Grundsteinlegung für ein neues Schulgebäude, das den Namen Friedrich v. Bodelschwingh Schule erhält.

Ende 1927
Bethel erwirbt in der Nähe von Paderborn 3500 Morgen Oedland, die Hermannsheide und eröffnet eine weitere Arbeiterkolonie.

1928
Eröffnung des Sigmarshof, eines Jugendlandheimes in der Hermannsheide für jugendliche Erwerbslose. Sie sollen auf Arbeitsstellen in der Landwirtschaft vermittelt werden.

1931
Bethel beteiligt sich am Aufbau eines größeren Lagers für den freiwilligen Arbeitsdienstes Es erhält den Namen Staumühle. Das Lager liegt am Rande eines großen Truppenübungsplatzes in der Senne. Die dort zusammengefassten Jugendlichen leisteten Kulturarbeiten auf dem Gelände des Platzes.

21.6.1931
Grundsteinlegung für den Bau der Epilepsieklinik Mara. Das Haus soll eine Aufnahmestation für Männer, Frauen und Kinder, Arbeits- und Untersuchungsräume sowie Zimmer für das Personal erhalten. Das Gebäude wird im Frühjahr 1933 eingeweiht.

1932
Auflagen der Betheler Publikationen: Missions-Nachrichten 9500 monatlich, Aufwärts 9500 täglich, Beth-El 10.700 monatlich, Licht im Dunkel 17.000 monatlich, Kindergabe 30.000 monatlich, Unser Ziel 44.500 wöchentlich, Für Herz und Haus 69.000 wöchentlich, Kindergabe 205.000 wöchentlich, Westfälisches Sonntagsblatt 38.000 wöchentlich, Bote von Bethel 500.000 vierteljährlich.

1933
Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurde 1933 verabschiedet und trat am 1. Januar 1934 in Kraft. Durch den Ausschluss vermeintlich erblich belasteter Personenkreise von der Fortpflanzung sollte ein „gereinigter Volkskörper“ entstehen. Die Sterilisation galt als eine wissenschaftlich fundiert begründete Maßnahme zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Dieses „geringfügige Opfer“ meinte man den Betroffenen zumuten zu können.

In Bethel hatte man zu Euthanasie und Eugenik seit den zwanziger Jahren wiederholt unterschiedlich Stellung bezogen. Eine Einstufung menschlichen Lebens als lebensunwert war aus prinzipiellen christlichen Erwägungen heraus stets abgelehnt, Eugenik hingegen gutgeheißen worden. Auch Anstaltsleiter Fritz von Bodelschwingh stand ihr durchaus aufgeschlossen gegenüber, zum einem als tragbares Zugeständnis an den medizinischen Fortschritt, zum andern als humane Alternative zur „Euthanasie“, die er stets kompromisslos ablehnte. Ab 1934 werden in Betheler Krankenhäusern mindestens 1 176 Menschen zwangssterilisiert. Heute erinnert eine Stele in der Ortschaft Bethel an dieses Unrecht.

Im Bethel-Verlag sind einige Publikationen erschienen, die kritisch und offen das Themenfeld Euthanasie und Eugenik behandeln, unter anderem Spurensuche von Anneliese Hochmuth und Lebenslang als minderwertig abgestempelt, herausgeben von Pastor Bernward Wolf.  In dem 1997 von Professor Dr. Matthias Benad herausgegebenen Buch über "Friedrich v. Bodelschwingh d. J. und die Betheler Anstalten" befassen sich unter anderem der Historiker Dr. Bernd Walter und Dr. Niels Pörksen, ehemaliger Chefarzt der Psychiatrischen Klinik in Bethel, mit dem Thema Zwangssterilisation.

26.5.1933
Fritz von Bodelschwingh wird Reichsbischof der evangelischen Kirche in Deutschland.

24.6.1933
Fritz v. Bodelschwingh tritt aus Protest gegen die "Deutschen Christen" zurück. Gespräch Bodelschwinghs mit Hindenburg auf Gut Neudeck.

Dez. 1933
Es erscheint das "Betheler Bekenntnis" als frühes Dokument zum Kirchenkampf. Das Dokument kann als Vorläufer des Barmer-Bekenntnis der bekennenden Kirche von 1934 gelten.

10.3.1936
Der Bethel-Vorstand fasst den Beschluss zur Auflösung der Anstalts-Sparkasse. Das Reichsgesetz über das Kreditwesen macht diesen Beschluss notwendig.

1938
Die Diakonissenanstalt Sarepta hat Ende dieses Jahres 2006 Schwestern. Von diesen arbeiten ca. 80% auf 435 Stationen außerhalb Bethels. Damit erreicht Sarepta die höchste Mitgliederzahl.

23.3.1939
Schließung der theologischen Schule durch die Geheime Staatspolizei der nationalsozialistischen Regierung.

1.9.1939
An diesem Tag unterzeichnet Adolf Hitler den Euthanasiebefehl und beauftragt seinen Leibarzt Dr. Brandt und Reichsleiter Bouhler mit der Krankentötung.

Okt. 1939
Die ersten Meldebögen in denen Informationen über Anstaltsbewohner abgefragt werden gehen bei Anstalten ein.

 

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