v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
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Friedrich Simon

(geboren 1833 in Oberhessen, gestorben 1912 in Bielefeld-Bethel)

Friedrich Simon

Die Anstalt, deren geistliche Leitung Simon 1867 übernahm, bestand aus einem alten Bauernhof. Im ersten Jahr versorgte man dort 24 „Pfleglinge”. Als geistlicher Leiter der „Anstalt für Epileptische” war Simon für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und hatte den Neubau eines Anstaltsgebäudes zu organisieren.

Schon bald musste er feststellen, dass sich das Arbeitsfeld anders als geplant entwickelte, denn statt der Patienten, bei denen die „Krankheit noch im ersten Stadium begriffen” war, kamen zunehmend schwerer behinderte Menschen, die eine intensivere Betreuung brauchten. Dann musste die Finanzierung anders organisiert werden, da kaum ein Patient, wie geplant, das anfallende Pflegegeld selber zahlen konnte. Trotz allem engagierte sich Simon noch für den Aufbau einer Diakonissenanstalt in Bielefeld und übernahm nach der Gründung 1869 auch deren geistliche Leitung.

Als dann aus dem Wohngebiet der Arbeiter der Ravensberger Spinnerei, die Friedrich Simon betreute, ein eigener Pfarrbezirk wurde, musste sich Simon für einen Arbeitsschwerpunkt entscheiden. Seine Wahl fiel auf die Gemeindearbeit.

Friedrich von Bodelschwingh

(geboren 1831 in Tecklenburg, gestorben 1910 in Bielefeld-Bethel)

Friedrich von Bodelschwingh

Als Nachfolger für Friedrich Simon kam Friedrich von Bodelschwingh 1872 als Leiter der Anstalt für Epileptische und der Diakonissenanstalt nach Bethel. Bodelschwingh verknüpfte die Arbeitsfelder beider Anstalten und baute sie aus. Als sich herausstellte, dass Epilepsie mit den Behandlungsmethoden der Zeit nur selten heilbar war, begann er mit dem „kolonieartigen Ausbau” der Anstalt. Er schuf eine Ortschaft mit Wohnhäusern und Betrieben, in der Menschen mit Epilepsie arbeiten und leben konnten. In den 1880er Jahren erweiterte er die Hilfeangebote für psychisch kranke Menschen und Arbeits- und Obdachlose. Für letztere gründete er Arbeiterkolonien. Daraus entwickelten sich die Teilbereiche Eckardtsheim, die Hoffnungstaler Anstalten Lobetal und Freistatt, wo ab 1899 auch jugendliche Fürsorgezöglinge aufgenommen wurden.

Friedrich von Bodelschwingh

Trotz dieser Erweiterungen nahm auch die Zahl der Personen mit Epilepsie zu, die in der ab 1874 Bethel genannten Einrichtung Hilfe suchten, von 30 im Jahr 1872 auf 2294 in Bodelschwinghs Todesjahr 1910.



Fritz von Bodelschwingh

(geboren 1877 in Bielefeld, gestorben 1946 ebenda)

Fritz von Bodelschwingh

Kein Anstaltsleiter hatte so schwierige politische Veränderungen zu bewältigen wie Fritz von Bodelschwingh. Nach vier Jahren im Amt begann der 1. Weltkrieg. Dann kam die Weimarer Republik, der Fritz von Bodelschwingh wie viele andere auch skeptisch gegenüberstand.

Die Anstalt profitierte vom neuen Sozialsystem beim weiteren Ausbau, hatte jetzt aber Konkurrenz in der freien Wohlfahrtspflege. Dazu kam die säkulare Ausrichtung der Republik, auf die Bethel mit Schulangeboten für nicht behinderte Kinder reagierte. Während in Bethel die Arbeit im gewohnten Rahmen weiterlief, engagierte sich Fritz von Bodelschwingh auch beim Aufbau neuer kirchlicher Strukturen und wurde 1933 sogar Reichsbischof. In der Auseinandersetzung mit den nationalsozialistisch beeinflussten „Deutschen Christen“ gab er das Amt nach wenigen Tagen wieder ab.

Fritz von Bodelschwingh

Die Machtübernahme Hitlers 1933 wurde in Bethel zunächst von vielen befürwortet. Pastor Fritz sagte 1934 sogar: „Gegenwärtig war für die Erhaltung des Staates die Diktatur die einzige Lösung.” Diese Haltung änderte sich mit der 1939 beginnenden Euthanasie, die abgelehnt und bekämpft wurde. Durch Proteste und eine verzögernde Zusammenarbeit gelang es, die in Bethel betreuten Menschen weitgehend zu schützen und durch die Kriegszeiten zu bringen.

Rudolf Hardt

(geboren 1900 in Hagen, gestorben 1959 in Bielefeld-Bethel)

Rudolf Hardt

Den Neuaufbau der Arbeit nach dem Zweiten Weltkrieg leitete Rudolf Hardt, der am 10. Februar 1946 als neuer Anstaltsleiter eingeführt wurde. Mit seiner Wahl waren die Leitungsgremien einem Wunsch seines Vorgängers Fritz von Bodelschwingh gefolgt.

Hardt hatte in seiner Amtszeit schwere Aufgaben zu bewältigen, wie die Beseitigung der Kriegsschäden, die Schaffung neuer Pflegeplätze sowie eine Anpassung der Arbeitsbereiche an die sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen der neuen Bundesrepublik.

Rudolf Hardt

Erschwert wurden diese Maßnahmen dadurch, dass die Währungsreform einen Teil des Stiftungsvermögens vernichtet hatte und der Staat noch keine kostendeckenden Pflegegelder zahlte. Ohne Einsatz und Verzicht der Mitarbeiterschaft wären viele Projekte nicht realisiert worden. Jeder trug, so Hardt, „mit 12 Tagewerken zum Wiederaufbau und zur Entrümpelung der Anstalten bei. Den Mitarbeitern musste wiederholt der Verzicht auf Gehalts- und Lohnanteile zugemutet werden.”

 

Friedrich von Bodelschwingh

(geboren 1902 in Bonn, gestorben 1977 in Bielefeld-Bethel)

Friedrich von Bodelschwingh

Mit der Amtsübernahme durch Friedrich von Bodelschwingh, Enkel des zweiten Betheler Anstaltsleiters, traten auch veränderte Leitungsstrukturen in Kraft. So erhielten die Teilbereiche Bethel, Eckardtsheim und Freistatt ab 1960 zur Straffung der Entscheidungswege den Status selbstständiger Tochteranstalten. Bald stand auch die inhaltliche Ausrichtung der Arbeit auf dem Prüfstand.

Friedrich von Bodelschwingh konnte bald verkünden, dass mit neuen Behandlungsmethoden immer mehr Menschen ein Anstaltsaufenthalt erspart werden konnte. In der Konsequenz kamen schwerer behinderte Personen nach Bethel, die einen größeren Betreuungsaufwand hatten sowie andere Arbeitsgelegenheiten benötigten. Deshalb entstanden spezielle Werkstätten mit Industriearbeiten sowie Werktherapien.

Friedrich von Bodelschwingh

Die Stiftungen Sarepta und Nazareth, für die Bereitstellung des Personals verantwortlich, konnten den zusätzlichen Bedarf aber nicht mehr decken. Bethel begann deshalb, externe Mitarbeiter anzuwerben. Doch grundlegende Veränderungen kamen erst mit Friedrich von Bodelschwinghs Nachfolgern.

 

Alex Funke

(geboren 1914 in Lomé, gestorben 2003 in Bielefeld-Bethel)

Alex Funke

Das Leben der in Bethel betreuten Menschen hat sich in keiner Amtszeit eines Anstaltsleiters so verändert wie in der von Alex Funke. Als ihm 1968 die Anstaltsleitung angeboten wurde, gab es noch die alten Strukturen mit dem Hauselternprinzip und hierarchischen Umgangsformen mit Bewohnern und Personal. Für Funke aber auch für etliche Bethel-Mitarbeiter stand fest, dass sich dies angesichts der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen ändern musste, wollte Bethel zukunftsfähig sein.

Im 1969 auf Funkes Vorschlag eingeführten Nazareth Vorsteher Johannes Busch fand er einen Mitstreiter. In zahlreichen Diskussionsrunden und unter Mithilfe einer Unternehmensberatung wurden neue Strukturen erarbeitet, die unter anderem zu einer Fortbildungsoffensive für Mitarbeiter und zur Ablösung der hierarchischen Strukturen durch Teamarbeit führte. In der Folge übernahm Bethel die bisher von den Stiftungen Sarepta und Nazareth geleistete Personalarbeit in eigener Regie.

Alex Funke

Für die Bethel-Bewohner brachten diese Reformen individuellere Wohnformen, die Aufhebung der Geschlechtertrennung, mehr Selbstständigkeit und Entscheidungsfreiheiten.

 

Johannes Busch

(geboren 1932 in Witten)

Johannes Busch

Als Nachfolger von Alex Funke betrat Johannes Busch 1979 kein Neuland, hatte er doch als Nazareth-Vorsteher die vergangenen Veränderungen begleitet und mitgetragen. In Nazareth selber hatte er sich weniger als Vorsteher, denn als Brüderpfarrer gesehen.

Diese Haltung übertrug Busch auch in sein neues Amt, das er als pastorales Leitungsamt verstand. Für ihn bedeutete dies, bei bestehenden Problemen Lösungen zu finden, mit denen alle Beteiligten leben konnten, aber auch sich bei ethischen Fragestellungen wie der pränatalen Diagnostik zu Wort zu melden.

Johannes Busch

Anders als sein Vorgänger musste sich Busch auch mit knapper werdenden Finanzen und Forderungen nach unternehmerischem Handeln auseinandersetzen. Busch entgegnete dem, dass Bethel kein Unternehmen, sondern ein „Organismus eigener Art mit originellen Lebensformen” sei, den es zu schützen gelte, wollte man zukunftsfähig bleiben.

 

Friedrich Schophaus

(geboren 1943 in Dortmund)

Friedrich Schophaus

Friedrich Schophaus übernahm die Anstaltsleitung 1995 in einer Zeit, als sich die Bedingungen für den Sozialstaat weiter verschlechterten. Zur Weiterführung der Arbeit waren deshalb Strukturreformen erforderlich, wie die Dezentralisierung der Aufgabenfelder, die Delegation von Verantwortung in die Geschäftsbereiche sowie die Auflösung der Bielefelder Teilanstalten zugunsten arbeitsfeldbezogener Stiftungs- und Unternehmensbereiche.

Parallel dazu erweiterte man Bethels Arbeit in die Regionen. Im Ruhrgebiet entstand der Stiftungsbereich Vor Ort, bestehend aus der ehemaligen Teilanstalt Homborn und neuen Einrichtungen in den Nachbarstädten. Im Raum Berlin, dort gab es bisher die Hoffnungstaler Anstalten Lobetal, kamen neue Einrichtungen wie das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg und ein Krankenhaus hinzu. In Bremen eröffnete 2006 eine Altenhilfeeinrichtung, und das Angebot in Niedersachsen wurde 2007 durch die Übernahme des Birkenhofs in Hannover erweitert. Als neue Arbeitsfelder kamen unter anderem die Hospizarbeit und die Autismus-Therapie hinzu.

Friedrich Schophaus

Friedrich Schophaus mahnte, angesichts dieser Entwicklungen, die Arbeit Bethels weiterhin als „Evangelium mit den Händen“ zu begreifen und die christliche Grundidentität nicht zu vergessen.



Ulrich Pohl

(geboren 1957 in Essen)

Ulrich Pohl

Als neuer Anstaltsleiter und damit Vorsitzender des fünfköpfigen Vorstands der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel steht Pastor Ulrich Pohl seit Februar 2008 an der Spitze des diakonischen Unternehmens Bethel, das mit rund 15 000 Mitarbeitenden, Diensten und Einrichtungen in sechs deutschen Bundesländern und 75 offiziellen internationalen Kooperationen zu den größten seiner Art zählt.

Die Berufung von Ulrich Pohl sichert die Kontinuität der Entwicklung vor dem Hintergrund sich weiter verändernder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und Veränderungen der Hilfeangebote hin zu mehr ambulanter und gemeindenaher Versorgung der betreuten Menschen.

Ulrich Pohl

Eine besondere Herausforderung für Ulrich Pohl wird es sein, die Unternehmensidentität, den „Geist Bethels“ auch an den neuen Standorten sowohl den Mitarbeitenden als auch den betreuten Menschen zu vermitteln. Einen besonderen Stellenwert wird auch in Zukunft die Sicherung und der Ausbau der Förderung der Arbeit Bethels durch rund 400 000 Bethel-Freundinnen und Freunde erhalten. Die von den Bethel-Unterstützern gespendeten Sach- und Geldmittel gewinnen in Zeiten zurückgehender öffentlicher Unterstützung große Bedeutung, um die Qualität der Betreuung von kranken, behinderten, pflegebedürftigen alten und sozial benachteiligten Menschen weiterhin zu erhalten.

© 2016 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel