v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
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15. September 2014

Außenansicht Kinderkrankenhaus

Vermeintlich wissenschaftliches Buch zur NS-Zeit

Vorwürfe gegen Bethel treffen nicht zu und sind konstruiert

Als völlig unhaltbar und nicht historisch belegt bezeichnen die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel die Vorwürfe, die jetzt in einem vorgeblich wissenschaftlichen Buch über Bethel in der NS-Zeit erhoben werden. In dem im September erschienenen Buch „Bethel in der NS-Zeit – Die verschwiegene Geschichte“ von Barbara Degen werden schwere Anschuldigungen in rufschädigender Weise  erhoben, die nicht durch konkrete Zahlen und historische Quellen belegt sind. Bethel weist aufs Schärfste den Vorwurf der Krankentötungen in seinem Kinderkrankenhaus, den Vorwurf der gezielten Mangelernährung und der Durchführung von medizinischen Versuchen an kranken oder behinderten jungen und alten Menschen in der NS-Zeit zurück.

Die Liste der Veröffentlichungen zu der Arbeit in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel während der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ist lang. Wenn man einzelne Artikel und Aufsätze, die in Sammelbänden und Zeitschriften erschienen sind, mitzählt sowie weitere, die Bethel zumindest ausführlich erwähnen, umfasst sie über 100 Titel. Seit den 1980er-Jahren gibt es eine intensive wissenschaftlich-kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte Bethels zwischen 1933 und 1945 unter den verschiedensten Fragestellungen. Wesentliche Anstöße kamen und kommen dazu aus Bethel selbst. In der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Zeit sind bisher keinerlei ähnliche Vorwürfe erhoben oder gar belegt worden.

Allein insofern ist schon der Titel des jetzt vorgelegten Buchs „Bethel in der NS-Zeit – Die verschwiegene Geschichte“ (VAS-Verlag, Bad Homburg 2014) sensationsheischend und sachlich völlig unzutreffend. Die Autorin unterstellt in ihrem Buch, in Bethel habe es insbesondere im Kinderkrankenhaus bewusste systematische Tötungen von kranken behinderten und nichtbehinderten Kindern gegeben. Dafür benennt die Autorin angeblich zu hohe Sterberaten, medizinische Experimente und „Hungerpolitik“ als Ursachen, ohne historisch belegte stichhaltige Quellen oder konkrete Zahlen anzuführen. Und sie weist auch nicht auf den besonderen Charakter des Kinderkrankenhauses in Bethel hin, der in diesem Zusammenhang von wesentlicher Bedeutung ist. Dort wurden aus dem weiteren Umkreis schwerkranke Kinder aufgenommen, deren Überlebensfähigkeit, zumal unter den Bedingungen des Kriegsalltags, stark eingeschränkt war.

Kinderkrankenhaus "Sonnenschein"
Kinderkrankenhaus "Sonnenschein"
Babys im Kinderkrankenhaus
Babys im Kinderkrankenhaus

Im Gegensatz zu exakter wissenschaftlicher Arbeit werden bei der allenfalls stichprobenartig durchgeführten Quellenrecherche der Autorin an mehreren Stellen eklatante Fehler deutlich. So werden falsche Medizinmengen wiedergegeben, es werden falsche Therapien genannt, die in den Akten nicht nachweisbar sind, und darüber hinaus werden falsche Sterbedaten genannt und Angaben vermischt sowie Aussagen Bethel-Ärzten zugeordnet, die zur jeweiligen Zeit schon länger nicht mehr in Bethel gearbeitet haben.

Der Autorin gelingt es nicht, in ihren Einschätzungen erkennbar für den Leser zwischen Angaben zu differenzieren, die sich auf das ganze Deutsche Reich beziehen, und solchen, die nur Bethel meinen. Ferner werden immer wieder Feststellungen zu Akutpatienten aus dem Kinderkrankenhaus mit behinderten Kindern und Erwachsenen aus dem Langzeitbereich von Bethel vermischt. Für die zahlenmäßige Darstellung von Sachverhalten benennt die Autorin oft keine historisch belegten Bezugsgrößen, sondern argumentiert immer wieder mit „zu hoch“, „viel“, „oft“, „außergewöhnlich hoch“ oder „erhöht“. Darüber hinaus erhebt sie Anklagen, deren Berechtigung nicht durch Quellen belegt wird. Vielmehr wird mehrfach die Formulierung genutzt: „… gehe ich davon aus, dass …“.

Tagesraum im Kinderkrankenhaus
Tagesraum im Kinderkrankenhaus
Klinik "Samaria", Lungen- und Infektionskrankenhaus
Klinik "Samaria"

Das Buch erscheint uns als eindeutig interessegeleitet und in keiner Weise den Ansprüchen an historische Forschung genügendes Werk. Es entsteht der Eindruck: Hier ist bewusst rufschädigend gegen Bethel gearbeitet worden. Obwohl die Autorin, eine Juristin, in unseren Archiven forschen konnte und dabei jede Unterstützung bekam, wurden die Quellen nicht in der fachlich erforderlichen Weise ausgewertet und viele Quellen erst gar nicht berücksichtigt. Nach verschiedenen Gesprächen zwischen der Autorin und fachkundigen Betheler Mitarbeitenden war für die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel klar, dass es hier nicht um an Aufklärung und sachgerechter Bewertung orientierte historische Forschung geht. Darum hat Bethel auch von einer Mitwirkung etwa in Form von zur Verfügung gestellten historischen Fotos für die Publikation abgesehen.

In keinem der eingangs erwähnten zahlreichen wissenschaftlich erstellten historischen Werke über Bethel betreffend die 1930er- und 1940er-Jahre wird auch nur ansatzweise der Vorwurf erhoben, es habe in Bethel bewusste Tötungen oder Medizinexperimente gegeben. Die Autorin jedoch behauptet dies ohne jede sachliche Fundierung.

Haus "Heilstatt", Blick in die Werktherapie
Haus "Heilstatt", Blick in die Werktherapie
Am Webstuhl in der Handweberei
Am Webstuhl in der Handweberei


Bilder: Hauptarchiv Bethel, aus den 1930er und -40er Jahren 

Eine ausführlichere Stellungnahme zu "Bethel in der NS-Zeit" finden Sie hier

 

Stellungnahme von Dr. Uwe Kaminsky, Ruhr-Universität Bochum, zum Buch "Bethel in der NS-Zeit" hier

 

Weitere Literatur nach 1997 zu Bethel in der NS-Zeit und zu den hier angesprochenen Themen finden Sie hier

 

Weitere Quellen- und Literaturangaben aus Hochmuth: "Spurensuche" (1997) hier

 
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