v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen

10 Jahre Betheljahr

10 Jahre Betheljahr

Ein Erfolgsmodell feiert Jubiläum

Er habe lange überlegt, ob ihm am Betheljahr irgendetwas nicht gefallen habe, aber ihm sei nichts Kritisches eingefallen. Tobias Hülsmann denkt gerne an sein Freiwilliges Soziales Jahr in der Ortschaft Bethel zurück. „Es war eine tolle Zeit und hat total viel Spaß gemacht!“ Vor zehn Jahren gehörte der damals 17-Jährige zu den ersten 25 Teilnehmern. „Wir waren eine enge Gruppe und kannten uns alle.“ So überschaubar war das Betheljahr nur in seinen Anfängen.

Für den kommenden Jahrgang 2012/2013 sind schon 430 Stellen vergeben, und es wird damit gerechnet, dass am Ende des Bewerbungsverfahrens alle 458 gemeldeten Plätze an den unterschiedlichen Standorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen besetzt sein werden.

Am neuen Sitz der Betheler Freiwilligenagentur mitten in der Ortschaft Bethel in Bielefeld hängt ein Großplakat mit 2.133 Vornamen an der Gebäudewand - ein beeindruckendes Zeugnis: So viele junge Menschen haben in den vergangenen zehn Jahren die besondere Form des Freiwilligen Sozialen Jahrs genutzt, um zwischen Schule und Ausbildung oder Studium etwas für hilfebedürftige Menschen zu tun oder um sich überhaupt erst einmal beruflich zu orientieren. Zu letzteren gehörte auch Tobias Hülsmann, der nach dem Abschluss der Realschule wissen wollte, ob der soziale Bereich etwas für ihn ist. Er arbeitete in der Werkstatt Basan in Bielefeld-Eckardtsheim mit, bekam aber auch Einblicke in andere Bereiche. „Ich fand es super, dass es Schnupperpraktika gab.“ Für ihn bot sich so die Gelegenheit, auch Arbeitsplätze im Epilepsie-Zentrum Bethel und im Bereich „Sport und Kultur“ in Eckardtsheim kennen zu lernen.

10 Jahre Betheljahr

„Jungen Menschen eine berufliche Orientierung zu ermöglichen und sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern sind die Schwerpunkte des Betheljahrs“, betont Diakon Stefan Homann, seit Jahresbeginn Leiter der Freiwilligenagentur. Hier wird das Betheljahr mit 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern organisiert. Die meisten von ihnen arbeiten in Teilzeit. Neben dem Hauptsitz, seit Mai im Grete-Reich-Weg 13, wurden in diesem Jahr auch Außenbüros in Dortmund, Hannover und Freistatt eingerichtet. „Im Ruhrgebiet gibt es aktuell 41 Plätze, im Bereich ‚Bethel im Norden‘ 40 – mit steigender Tendenz“, freut sich Stefan Homann ebenso wie sein Stellvertreter Diakon Jens Meyer-Prystav, der schon 2002 dabei war und die Weiterentwicklung des Betheljahrs hautnah miterlebt hat. Ein besonderes „Bonbon“ wurde die Eventwoche, die 2006 zum ersten Mal im Rahmen der fünfwöchigen Seminararbeit stattfand: Die damaligen 150 jungen Frauen und Männer im Betheljahr nahmen eine Woche lang an unterschiedlichsten Aktivitäten teil: vom Trommeln übers Theaterspielen bis hin zur Digitalfotografie.

10 Jahre Betheljahr
10 Jahre Betheljahr

2006 war auch das Jahr, in dem das Betheljahr den „Preis des Westfälischen Friedens“ in Münster erhielt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer praktizierten Humanismus und Nächstenliebe und festigten die eigene soziale Kompetenz, hieß es anerkennend in der Begründung. Zwei Jahre später bekam die Freiwilligenagentur Bethel das Gütesiegel der Berliner Agentur für Qualität in Freiwilligendiensten in Berlin verliehen. Der Auszeichnung ging ein mehrmonatiges Prüfverfahren zum Einsatz der Betheljahr-Teilnehmer in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern voraus.

Auch nach zehn Jahren ist es im Betheljahr nicht ruhig geworden – im Gegenteil. Die Einführung des Bundesfreiwilligendienstes hat große Veränderungen gebracht. „Wir gestalten das Betheljahr jetzt in drei Formen“, berichtet Stefan Homann. „Es gibt das Betheljahr als Freiwilliges Soziales Jahr und als Bundesfreiwilligendienst für Menschen unter 27 Jahren sowie unter dem Titel ‚Betheljahr27Plus‘ als Bundesfreiwilligendienst für Menschen ab 27 Jahren.“ Von den 458 Teilnehmerinnen und Teilnehmern machen 374 ihr Betheljahr im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres, die übrigen 84 absolvieren es als Bundesfreiwilligendienst, davon 15 als Betheljahr27plus. Die älteste Teilnehmerin ist 72 Jahre alt.

Die Anfragen von Bewerberinnen und Bewerbern sind nach wie vor höher als die angebotenen Plätze, aber das Kontingent ist festgelegt. „Wir haben 84 Plätze im Bundesfreiwilligendienst zugewiesen bekommen. Mehr werden nicht gefördert“, bedauert Stefan Homann. Und auch im Freiwilligen Sozialen Jahr wurde die Zahl auf 331 geförderte Plätze beschränkt. Die 43 zusätzlichen Stellen finanziert Bethel allein. „Wir haben die weiteren Plätze beibehalten, weil es uns wichtig ist, junge Menschen zu fördern, die mithelfen wollen und sich für unsere Arbeit interessieren“, so der Leiter der Freiwilligenagentur. Für Stefan Homann und Jens Meyer-Prystav steht fest: Die Rahmenbedingungen des Freiwilligen Sozialen Jahres gleichen sich immer mehr dem Bundesfreiwilligendienst an. „Jetzt wird es an vielen Stellen bürokratischer.“

10 Jahre Betheljahr
10 Jahre Betheljahr

Als Tobias Hülsmann 2002 sein Betheljahr absolvierte, gehörte er mit 17 Jahren zu den jüngsten Teilnehmern. „So junge Absolventen waren eher die Ausnahme. Künftig wird ihr Anteil aber steigen. Jetzt kommen die geburtenschwachen Jahrgänge, und das Abgangsalter der Schüler sinkt“, blickt Diakon Homann in die Zukunft. Auf der einen Seite jüngere Teilnehmer, auf der anderen Seite die älteren im Bundesfreiwilligendienst – es bleibt noch viel zu tun in der Entwicklung neuer Konzepte. Schließlich geht es künftig darum, ganz unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden. „Die Menschen engagieren sich hier mit vollem Einsatz. Darum ist es wichtig, dass wir auch für sie Gutes tun und sie bestmöglich begleiten“, sind sich Stefan Homann und Jens Meyer-Prystav einig.

10 Jahre Betheljahr
10 Jahre Betheljahr

Am 14. Oktober fand ein Festgottesdienst zum 10-jährigen Jubiläum in Bielefeld-Bethel statt. In der Zionskirche wurden die Teilnehmenden des aktuellen Jahrgangs besonders begrüßt. Bethels stellvertretender Vorstandsvorsitzender Pastor Bernward Wolf hielt die Predigt.

Fotograf: Reinhard Elbracht / Paul Schulz

© 2018 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel