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Lebenszeichen auf Schienen

Neuauflage der Bethel-Straßenbahn

Über und unter der Erde fährt seit zehn Jahren in Bielefeld eine Straßenbahn mit dem Titel „Drinnen das ist wie Draußen nur anders“. Der Fotograf Veit Mette hatte für die Seitenwände eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Aufnahmen gemacht, die Menschen aus Bethel zeigen. Jetzt wurde der Doppelzug der Bielefelder Stadtbahn von der Dankort-Abteilung „Presse + Kommunikation“ überarbeitet und mit einigen neuen Motiven beklebt.


Die Chance, großformatige Bilder auf Räder zu stellen, sei ein „Geschenk für jeden Fotografen“, so Veit Mette. „Meine Fotos gehören in den öffentlichen Raum“, ist der Bielefelder Künstler überzeugt. Das „flüchtige Déjà Vu“ der mobilen Ausstellung sei nicht mit einer musealen Präsentation zu vergleichen. Dem Künstler ist der Umgang mit behinderten Menschen vertraut. „Seine Porträts zeugen von großem Respekt. Sie sind nicht aufdringlich oder aufdeckend, sondern einfühlsam und beeindruckend“, so Bethels stellvertretender Vorstandsvorsitzender Pastor Bernward Wolf. Die Bilder von Veit Mette spiegelten ein Leben wider, dessen Alltag der breiteren Öffentlichkeit verschlossen bleibe, weil sie ihn nicht erleben könne oder nicht erleben wolle. Zum Neustart und zum Jubiläum der mit dem Deutschen Plakat Grand Prix prämierten Stadtbahn wurde Mitte November eine Ausstellung im Restaurant „Nichtschwimmer“ in Bielefeld eröffnet. Bei der Vernissage betonte Bethel-Sprecher Jens U. Garlichs das gemeinsame Interesse, mit diesen besonderen Bildern in die Mitte der Gesellschaft zu gehen.


Das Bielefelder Verkehrsunternehmen moBiel stellt wie in den vergangenen zehn Jahren die Stadtbahn kostenlos zur Verfügung. Dennoch spricht moBiel-Prokurist Hans-Jürgen Krain von einem „unbezahlbaren Effekt“. Eine Umfrage habe die nachhaltige Wirkung der Betheler Werbemaßnahme überprüft: Die Bethel-Bahn blieb 24 Prozent der Befragten im Gedächtnis, der abgeschlagene Zweitplatzierte konnte lediglich14 Prozent für sich verbuchen. Aufgrund der hohen Publikumsgunst gibt es die Bethel-Bahn zum Jubiläum als originalgetreue Miniatur, Spurbreite H O.

Für Dr. Thomas Kellein, scheidender Direktor der Bielefelder Kunsthalle, ist die Kunst des „Schnappschusses“ ein wesentliches Merkmal der Arbeit von Veit Mette: „Er drückt exakt in dem Moment ab, in dem die Menschen zeigen, dass sie leben.“ Für den Kunstexperten bringt die rollende Ausstellung eine oft übersehene gesellschaftliche Wirklichkeit zum Ausdruck: „Wir alle sind eigentlich immer draußen und drinnen, gehören dazu und doch nicht.“

Fotos: Veit Mette / Paul Schulz

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