v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen

Unsere neuen Großflächenplakate

Mit Großflächenplakaten machen die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in diesem Sommer wieder öffentlich auf ihre Arbeit aufmerksam. Auf knapp 10.000 Werbeflächen sind bundesweit verschiedene Motive mit Menschen aus Bethel zu sehen.

Der international bekannte Porträt-Fotograf Jim Rakete hat für das Bethel-Jubiläumsprojekt „Wir sind viele“ den Sucher seiner Leica-Kamera diesmal nicht auf die prominentesten Vertreter der Gesellschaft gerichtet, sondern auf diejenigen, die im öffentlichen Leben immer um Wahrnehmung kämpfen müssen: Menschen mit Behinderungen, mit psychischen Leiden, mit Suchterfahrungen, mit schweren Krankheiten. Die Porträts zeigen die Menschen in ihrem innersten Wesen – einfühlsam, respektvoll, ungeschminkt.

Als Motive für die Großflächenplakate wurden fünf der insgesamt fünfzig Fotos ausgewählt. Aus dem Dankort stammen Idee und Gestaltung der Plakate, die bis zum Herbst zu sehen sind. Die Plakatflächen werden Bethel günstig von einem großen deutschen Außenwerbeunternehmen zur Verfügung gestellt.

Plakat von Antje Neumann und Edgar Voigt

Antje Neumann und Edgar Voigt leben schon lange zusammen in einer Wohngruppe für Menschen mit geistiger Behinderung in Lobetal. Aber erst bei einem Frühlingsfest im benachbarten Erkner hat es zwischen ihnen gefunkt. Das ist lange her: Seit über 20 Jahren sind die beiden verlobt.

Ihre Gemeinsamkeiten sind schon mehr als erstaunlich. So trennt die beiden altersmäßig nur ein Tag: Antje Neumann hat am 6. Mai Geburtstag, Edgar Voigt am 7. Mai. Außerdem ergänzen sich die 71-Jährigen wunderbar und helfen sich gegenseitig im Haushalt. Teilen tun sie auch ihr Interesse für Kunst und das Gestalten. Die beiden Rentner besuchen regelmäßig eine Seniorentagesstätte. Dort lieben sie es, kreativ zu sein.

Ein Interview mit Antje Neumann und Edgar Voigt gibt es hier

Plakat von Jakob Buddenberg

Jakob Buddenberg wirkt zerbrechlich, klein und schmal. Wache blaue Augen hat er, die meist fröhlich allen Menschen begegnen. Irgendein besonderer Zauber geht von ihm aus. Und so geht Jakob selten allein durch die Welt. Er streckt den Menschen seinen Arm entgegen, sie ergreifen seine Hand und begleiten ihn. Dabei könnte er auch allein laufen. Zwar zieht Jakob ein Bein nach, und auch seine Hand ist beeinträchtigt von den Schlaganfällen, die er als Kleinkind bekam. Doch Wege kann sich Jakob gut merken.

Sprechen kann er nicht. Sein Schlüssel zur Welt sind Mimik, Gesten und sein Lächeln. „Er ist ein absolut lebensfrohes, aufgewecktes Kind und bringt immer gute Laune in die Klasse“, sagt seine Lehrerin aus der Betheler Förderschule Mamre-Patmos-Schule. Jakob schaut sie an und beginnt mit seinem ganzen Körper zu wackeln. Das macht er immer, wenn er sich freut.

Plakat von Horst Schelies

Horst Schelies ist die „gute Seele“ im Haus Horeb, einer Wohnstätte für abhängigkeitskranke Frauen und Männer in Lobetal. Jeden Tag kocht er für die anderen Bewohner und Mitarbeiter Kaffee, oder nimmt „Bestellungen“ auf. Dann fährt er mit dem Bus ins nahegelegene Bernau, um dort Kreuzworträtsel, Fernsehzeitschriften oder Tabak zu besorgen.

Horst Schelies hat viele Jahre in der Landwirtschaft und im Bauhandwerk gearbeitet. Anschließend war er 29 Jahre in einer Zigarettenfabrik in Pankow tätig. 1991 wurde er arbeitslos. „Plötzlich gehörte ich zum alten Eisen“, erzählt er. Niemand wollte ihn mehr einstellen. Das traf ihn hart und warf ihn aus der Lebensbahn. Horst Schelies wurde alkoholabhängig.

Das Leben im Haus Horeb gibt dem 89-Jährigen wieder festen Halt. Die Einrichtung bietet den Bewohnern mit erheblichen hirnorganischen und körperlichen Beeinträchtigungen ein behütetes und alkoholfreies Umfeld.

Plakat von Thomas Stünkel

Thomas Stünkel tauscht Glühbirnen aus und hat sogar die Telefonanlage angeschlossen. In der Wohngruppe in Berlin-Lichtenberg, in der er gemeinsam mit neun anderen Menschen mit geistiger Behinderung lebt, ist er so etwas wie der Haustechniker. „Ich bin handwerklich recht geschickt“, sagt der 39-Jährige selbstbewusst. Darum findet er es toll, einen Baumarkt in Sichtweite zu haben. Dann zeigt er durch das Fenster zu dem rund 200 Meter entfernten Gebäude. Sein handwerkliches Geschick verdanke er seinem Vater und seiner Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen. 

Der gebürtige Berliner braucht dafür in anderen Bereichen Hilfe, etwa beim Einkaufen oder Aufräumen. Die Wohngemeinschaft ist genau das Richtige für Thomas Stünkel, denn er ist nicht gerne alleine. „Manchmal mache ich aber auch mal die Tür zu meinem Zimmer zu. Das kann auch viel Wert sein“, bemerkt er lächelnd.

Ein Interview mit Thomas Stünkel gibt es hier 

Plakat von Aananthabairavy Pooventhiranathan

Aananthabairavy Pooventhiranathan zog sich früher oft zurück. An schlechten Tagen war von ihr nicht viel zu sehen, selbst wenn sie direkt vor einem stand. Die Kapuze des Hoodies hat sie dann tief ins Gesicht gezogen, Kontakt zur Außenwelt war unerwünscht.

Der für deutsche Ohren endlose Name stammt aus Sri Lanka. Aufgewachsen ist Bairavi, wie sie von allen genannt wird, im Spannungsfeld der tamilischen Heimat ihrer Eltern und ihrer westlichen Sozialisation in Deutschland – und hat sich darin zeitweise verloren. Mit 21 Jahren kam sie in das Otto-Riethmüller-Haus in Bethel, eine sozialpädagogische Einrichtung für junge Frauen und Männer mit persönlichen und sozialen Schwierigkeiten. Die ersten Monate war sie praktisch nicht ansprechbar, mit vielen Schichten vermummt öffnete sie sich erst langsam.

Doch durch eine intensive Unterstützung und Begleitung ihrer Betreuer hat die junge Frau neues Selbstbewusstsein gefasst. Seit einigen Jahren lebt sie in einer eigenen Wohnung. Immer öfter zeigt sich die heute 29-Jährige nur mit Cappy oder ganz offenem Haar. „Das ist ein weiter Weg gewesen für mich.“

Ein Interview mit Aananthabairavy Pooventhiranathan gibt es hier

© 2020 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel