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100 Jahre Handweberei Bethel - 100 Jahre Arbeit für Menschen mit Behinderungen

Als „Supertruppe“ bezeichnet Berna Brune (l.) ihr Team in der Handweber. Foto: Elbracht

„Weben ist so wunderschön“, schwärmt Berna Brune und streicht liebevoll über das Holz ihres Webstuhls. „Ein ganz altes Schätzchen ist das. Aber immer noch voll im Einsatz.“ Berna Brune arbeitet in der Handweberei Bethel in Bielefeld, einer Werkstatt für behinderte Menschen, die es seit über 100-Jahre gibt.

Rund 50 Menschen mit einer Behinderung oder einer psychischen Beeinträchtigung, auch immer mehr Menschen mit einem besonderen Betreuungsbedarf, sind in der Handweberei beschäftigt. „Die einen weben zehn Zentimeter am Tag, die anderen schaffen ein bis zwei Meter“, sagt die Leiterin Cornelia Krüger-Schütte. Berna Brune ist seit einem Jahr dabei. Eine „Supertruppe“ seien sie, in der man zusammenhalte und sich gegenseitig helfe.

Neben der Weberei mit 32 Webstühlen in zwei Räumen gehören auch eine Näherei mit 22 Nähmaschinen und ein kleines Ladengeschäft zu der Werkstatt. Fünf Mitarbeiterinnen für die Anleitung der Beschäftigten, darunter zwei weitere Textildesignerinnen, eine Weberin und zwei Nähereifachkräfte. In der Handweberei Bethel entstehen hochwertige Textilien für den Haushalt, wie Geschirrtücher, Tischläufer und Tischsets, Schürzen, Kissen und Wolldecken. Die Stoffe, die die Beschäftigten auf den Webstühlen fertigen, werden in der Näherei weiterverarbeitet. Ebenso erstellt der Nähbereich der Handweberei aus zugekauften Stoffen Eigenprodukte und übernimmt auch Lohnaufträge.

Die Handweberei Bethel gibt es sei mehr als 100 Jahren. Foto: Historische Sammlung Bethel

Ansprechende Produkte zu fertigen und zugleich etwas für seinen Körper zu tun – das ist das Besondere an der Webstuhl-Arbeit. „Das ist wie Sport“, bestätigt Berna Brune, und man glaubt es ihr sofort, wenn man ihr beim Weben zuschaut. Ihr Oberkörper schaukelt im gleichmäßigen, schnellen Rhythmus nach vorne und wieder nach hinten, während sie mit der einen Hand die Lade, einen großen hölzernen Webkamm, vor- und zurückbewegt, mit der anderen Hand an der »Peitsche« zieht, einem Zugband, mit dem sieden „Schützen“ mit dem Garn hin- und herschießt, und außerdem mit ihren Füßen zwei Tritte betätigt. Bei Berna Brune sieht es leicht aus, aber es ist eine anstrengende Tätigkeit. „Darum soll man auch Pausen machen“, betont sie. Damit die junge Frau in ihrer Begeisterung für das Weben auch selbst daran denkt, klebt an ihrem Webstuhl ein Zettel: „Nachlassen – durchatmen!“

 

 

Die Handweberei hat ihren Ursprung in der Webeschule Bethel, die Julia von Bodelschwingh 1913 gründete. Die Idee brachte die Frau des Anstaltsleiters Fritz von Bodelschwingh aus Schweden mit. Sie hatte in Berlin Malerei studiert und wollte das Arbeitsspektrum der Bewohner durch kreative Tätigkeiten erweitern. Mit einem Webstuhl in der eigenen Küche begann sie. Bis Anfang der 1930er-Jahre wuchs die Zahl der Webstühle in verschiedenen Pflegehäusern auf 100 an. Im Jahr 1934 holte Julia von Bodelschwingh die Bauhaus-Künstlerin Benita Koch-Otte nach Bethel, die die Handweberei bis 1957 leitete. Ihre Farbstimmungen werden heute wieder als Vorlagen für eine Wohnserie eingesetzt.

Einkaufen in der Handweberei Bethel

 
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