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Berufliche Teilhabe trotz schwerer Behinderung

Ansgar Ruffer und sein Sprachassistent

Ansgar Ruffer ist gut gelaunt. Er lacht, und seine Augen werden dabei ganz schmal. "Herr Ruffer, Sie müssen mit großen Augen gucken, sonst klappt das nicht", erinnert ihn Christine Buchmann. Der junge Mann steuert in der Werkstatt am Quellenhofweg in Bielefeld-Bethel mit seinen Augenbewegungen einen Computer. Noch ist er ganz am Anfang und muss mit seiner Anleiterin viel trainieren.

Die Bildschirm-Maske des PCs auf dem vollgepackten Arbeitstisch zeigt eine kleine Anzahl von Symbolen. Ein fröhlicher Smiley ist dort für "Gefällt mir" zu sehen, ein missgelauntes Strichmännchen für "Gefällt mir nicht", und auch ein Quadrat mit einem roten Rahmen gibt es. Zwei winzige Kameras, links und rechts unten am Bildschirm angebracht, registrieren genau, wohin der PC-Benutzer blickt. Verweilt er auf einem Symbol mit seinen Augen länger, wird ein Steuerbefehl ausgelöst. Ansgar Ruffer ist im Bereich "Verpackung und Montage" beschäftigt. Er weiß: Wenn er lange genug konzentriert auf das rote Quadrat blickt, setzt sich das Folienschweißgerät neben dem PC in Bewegung und schweißt eine Plastiktüte mit Kleinteilen zu.

Das Gerät ist über eine Infrarotschnittstelle mit dem Spezialcomputer verbunden und wird darüber gesteuert. Früher konnte Ansgar Ruffer das Folienschweißgerät per Handschalter bedienen, aber er leidet unter einer Tetra spastik, die ihn immer mehr eingeschränkt hat. "Umso schöner ist es, dass sich für Herrn Ruffer jetzt neue Möglichkeiten eröffnen", freut sich Christine Buchmann mit ihrem Kollegen Ernst-Wilhelm Kopschek, der die Idee zu dem Projekt hatte.

Viel üben – ohne Druck

Da Ansgar Ruffer die Tüten nicht selbst in das Folienschweißgerät einlegen kann, bietet es sich hier an, dass ihm später andere Werkstattbeschäftigte dabei helfen. So wird auch die Zusammenarbeit untereinander gefördert. Erst einmal aber heißt es: viel üben! "Dabei darf man sich aber keinen Druck machen. Schon die kleinen Fortschritte sind großartig", so Christine Buchmann. Sie achtet darauf, dass Ansgar Ruffer spätestens nach einer halben Stunde eine Pause einlegt, damit sich seine Augen erholen können.

Der spezielle Computer für Sprach- und Umweltsteuerung gehört Ansgar Ruffer. Zurzeit nutzt er nur die zweite Funktion für seine Tätigkeit in der Werkstatt. Da sich der 31-Jährige lautsprachlich nicht äußern kann, könnte er den Computer nach entsprechendem Training aber auch einsetzen, um mit anderen Menschen zu kommunizieren. "Ich kenne Herrn Ruffer schon so lange, dass ich ihm jede Befindlichkeit an der Nasenspitze ablesen kann", sagt Christine Buchmann lächelnd. "Aber wer ihn nicht so gut kennt, könnte über den PC mit ihm ins Gespräch kommen."

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