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Musik verbindet in schweren Zeiten

Die vergangenen Wochen sind gezeichnet von Verzicht, Kontaktverboten und Isolation. Auch die Menschen in Bethel sind von der Corona-Situation betroffen. Die Tagesstruktur-bietenden Werkstätten sind geschlossen, Freizeitangebote fallen aus und Besuche der Familie sind vorerst nicht erlaubt. Doch es gibt etwas, das auch aus der Distanz Freude stiften und Menschen verbinden kann: Musik. Auf ganz unterschiedlichen Wegen sind in den letzten Wochen in Bethel wunderschöne musikalische Aktionen entstanden, die zeigen: Wir halten zusammen!

Star-Organist gibt Konzert vor den Fenstern des KEH

Cameron Carpenter ist einer der bekanntesten Organisten der Welt. In der Corona-Krise hatte er eine besondere Idee. Mit einer auf einem LKW montierten digitalen Orgel besuchte er Krankenhäuser, Pflegeheime und Mietshäuser mit großen Fensterfronten und erfreute die Menschen mit besonderen Klängen. In der Zeit der physischen Distanzierung und des fast völligen Stillstands kulturellen Lebens will Carpenter damit ein Zeichen der Solidarität und der Kraft der Kultur setzen. Für eines dieser „Konzerte unter den Fenstern der Stadt“ war Carpenter am 1. Mai zu Gast auf dem Gelände des KEH. Unter dem Motto „All you need is Bach“ erfreute er Patienten und Mitarbeiter mit Stücken von Johann Sebastian Bach. „Wir haben uns sehr über das Konzert von Cameron Carpenter gefreut.  Aufgrund der derzeit geltenden Kontaktsperren und Besuchsverbote ist so eine besondere Abwechslung für unsere Patientinnen und Patienten sehr willkommen. Auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war das Konzert eine Möglichkeit, am Arbeitsplatz, wenn möglich, kurz innezuhalten und den Klängen durch das offene Fenster zu lauschen“, sagt Geschäftsführer Michael Mielke.

Abendliche Klänge der Posaunenmission

„Emotionen, wie sie Musik verbreitet, sind der Nährboden für das was wir Zuversicht nennen“, ist Joachim von Haebler, Leiter der Posaunenmission Bethel, überzeugt. Dies sei ein Grund dafür, dass die Posaunenmission eine besondere Aktion startete: Da sich die Mitglieder nicht mehr zum gemeinsamen Proben treffen dürfen, musizieren sie jetzt von zu Hause aus. Jeden Abend um 18 Uhr stellen sie sich an ihre Fenster, auf ihre Balkone oder in ihre Gärten und spielen Abendlieder. Dadurch legt sich ein wunderbarer Klangteppich über die Ortschaft Bethel. Die Bläserinnen und Bläser beginnen täglich mit der Europahymne aus der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Am Ende des etwa zwanzigminütigen Musizierens erklingt das Segenslied "Segne und Behüte". Auch der Posaunenchor Eckardtsheim beteiligt sich an dieser Aktion.

Mut-Mach-Song aus eingesendeten Textzeilen

Ein großes Gemeinschafts-Lied wollen die drei Musiker der „Bethel Band Camps“ schreiben – und haben dafür Textzeilen von allen gesammelt, die ihre Gefühle in der Corona-Krise in Worte fassen möchten.

So starteten die Musiker vor ein paar Wochen einen Aufruf: „Schickt uns Eure Gedanken zum Thema Corona, zur Isolation aber auch zu positiven Erlebnissen und Emotionen! Alles ist wichtig“, sagt Oliver Damaschek-Hahn, Leiter der Bethel-Band-Camps. „Wie fühlt Ihr Euch? Wut, Verzweiflung, Hoffnung – lasst es raus, und lasst die Welt wissen, was Euch bewegt!“

Innerhalb weniger Tage erreichten die Musiker eine Vielzahl an tollen Textzeilen, die nun zu einem Song zusammengetragen werden. Songs aus vielen einzelnen Gedanken einer Gruppe zu schreiben, ist die Spezialität der „Bethel Band Camps“, die in normalen Zeiten als mobiler, inklusiver Bandworkshop in Bethel-Einrichtungen und Schulen unterwegs sind.

Hof-Konzerte in Haus Elim

„Von guten Mächten wunderbar getragen“ und zudem musikalisch umschmeichelt fühlten sich die Bewohnerinnen und Bewohner von Haus Elim in Eckardtsheim. Mit Klezmer-, Kirchen- und Frühlingslieder erfreuten Cornelia Jaster aus der Betheler Kinderklinik und Elim-Mitarbeiterin Anja Bökenkamp rund 30 schwer pflegebedürftige Menschen, die dem spontanen Hof-Konzert bei geöffnetem Fenster lauschten.

Im Haus Elim leben zum einen ältere Menschen mit demenziellen Erkrankungen, gerontopsychiatrischen Beeinträchtigungen und schwerer somatischer Pflegebedürftigkeit, zum anderen jüngere Menschen mit hirnorganischen Schädigungen.

Wenige Tage später hat sich die Zahl der Musikerinnen verdoppelt: So konnten sich die Bewohnerinnen und Bewohner erneut über schöne Klänge freuen und aus ihren Räumen dem Streichquartett lauschen.

Open-Air Konzert am Haus Abendfrieden

Ein Open-Air-Konzert der ganz besonderen Art fand in der vergangenen Woche im Garten des Hauses Abendfrieden statt. In dem „Feierabendhaus“ der Sarepta Schwesternschaft, einer Einrichtung für Diakonissen in Bethel, präsentierte das Duo „Fluz“ ihr neues Album „Sun and Moon“.

Mit Klavier und Violoncello führen Nele Immer und Nils Rabente ihr Publikum in unbekannte Klangwelten. Seit 2013 entwickeln die aus Bielefeld und Hamburg stammenden Freunde ihren einzigartigen, atmosphärisch dichten Sound, der im weiten Feld zwischen Pop, Klassik und Jazz, Filmmusik, Instrumental, Klangkunst und Improvisation angesiedelt ist.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der Altenhilfe-Einrichtung am Remterweg genossen die private Vorstellung mit sicherem Abstand und weit geöffneten Fenstern.

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