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Trends in der Betheler Epilepsiechirugie

Dr. Thomas Cloppenborg hat für die Erforschung der Trends in der Betheler Epilepsiechirurgie mit Dr. Anne Hagemann (l.), Statistikerin der Gesellschaft für Epilepsieforschung, und seiner Kollegin Neuropsychologin Lena Hopf zusammengearbeitet.
Dr. Thomas Cloppenborg hat für die Erforschung der Trends in der Betheler Epilepsiechirurgie mit Dr. Anne Hagemann (l.), Statistikerin der Gesellschaft für Epilepsieforschung, und seiner Kollegin Neuropsychologin Lena Hopf zusammengearbeitet.

Dr. Thomas Cloppenborg, Kinderarzt auf der Station für Prächirurgische Diagnostik und Epilepsiechirurgie im Epilepsie-Zentrum Bethel, ist momentan von seiner täglichen Arbeit freigestellt. Dank eines Stipendiums der Epilepsie-Akademie Berlin-Bethel kann er sich zurzeit ganz auf die Frage konzentrieren, wie sich Kinder nach einem epilepsiechirurgischen Eingriff entwickeln. Die Studie führt er gemeinsam mit Kollegen vom Epilepsie-Zentrum Utrecht durch.

„Unser Ziel ist es, Chancen und Risiken einer Operation noch besser einzuschätzen und die Eltern auf der Basis einer umfassenden eigenen Datensammlung beraten zu können“, erläutert Dr. Cloppenborg. In bisherigen Forschungen hat er bereits gemeinsam mit Kollegen des Epilepsie-Zentrums Trends und Erfahrungen seit Beginn der Epilepsiechirurgie in Bethel ausgewertet. Die Bedeutung der pädiatrischen Epilepsiechirurgie steige, so der Experte. Der Anteil der Kinder unter den operierten Patienten habe seit den Anfängen der Betheler Epilepsiechirurgie in den 1990er-Jahren zugenommen. „Wir operieren rund 100 Erwachsene und Kinder jährlich, mit einer Verschiebung hin zu mehr Kindern.“

Etwa zwei Drittel der Patienten werden nach einem epilepsiechirurgischen Eingriff anfallsfrei. Auch die Medikamente gegen Anfälle können bei stabiler Anfallsfreiheit häufig vereinfacht oder abgesetzt werden. „Besonders bei kleinen Kindern können wir durch eine erfolgreiche Operation und eine Beendigung der medikamentösen Behandlung wichtige Weichen für den Entwicklungsverlauf stellen“, so Dr. Cloppenborg. Diese Vorteile gelte es bei der Entscheidung über eine Operation gegenüber operativen Risiken und auch möglichen Defiziten nach der Operation abzuwägen. Heute gebe es bei Kindern viel mehr große Eingriffe, wie die Hemisphärotomie, bei der die gesamte epileptogene Gehirnhälfte abgetrennt werde. „Wir haben zum einen gelernt, die Patienten zu identifizieren, die diese OP brauchen. Zum anderen konnte durch eine Veränderung der OP-Technik die Erfolgsrate verbessert werden“, erläutert Dr. Thomas Cloppenborg. Die Auswirkungen der Operation und Reorganisationsmöglichkeiten des kindlichen Gehirns könnten realistisch eingeschätzt und vorhergesagt werden.

Bei Patienten im Erwachsenenalter sieht Dr. Cloppenborg einen Trend zu schwierigeren Operationen, die häufig den Einsatz auch invasiver EEG-Ableitungen notwendig machen. „Dieser Trend beruht vor allem auf der Abnahme der Patienten mit Schläfenlappenepilepsien, die als typische Indikation für einen epilepsiechirurgischen Eingriff gelten.“

Komplexere Entscheidungen treffen zu müssen sei ein möglicher Grund dafür, dass im Erwachsenenalter eine vorgeschlagene Operation häufiger abgelehnt werde als im Kindesalter, so Dr. Cloppenborg. „Es dauert außerdem immer noch viel zu lange, bis Patienten mit der Frage nach einer operativen Behandlung in unser Zentrum kommen. Bei Erwachsenen betrug dieser Zeitraum im Mittel etwa 20 Jahre!“ Hier liege ein wichtiger Ansatzpunkt für eine Verbesserung der Behandlung. „Wenn allerdings mehrere Medikamente nicht geholfen haben, ist man gegenüber weiteren Therapievorschlägen vielleicht eher kritisch und akzeptiert die Epilepsie als gegeben“, vermutet der Mediziner. Eltern seien da in einer anderen Situation. „Sie entscheiden für ihr Kind und sind beharrlicher in der Suche nach Lösungen.“

 

Foto: Paul Schulz

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