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Sarah Garrn nutzt das Epilepsie-Zentrum Bethel

Sarah Garrn steht vor Haus Fernsicht
Im Haus Fernsicht lernte Sarah Garrn, mit den Anforderungen des Alltags zurechtzukommen und selbstständiger zu werden.

Schritt für Schritt in ein selbstständiges Leben

Sarah Garrn will weiter. Immer weiter. Stillstand oder Aufgeben kommt für die junge Frau aus Stade nicht in Frage. Trotz der Anfälle, die sie fast täglich erlebt. Trotz der Tatsache, dass die Epilepsie Teil ihres Lebens ist - und wohl immer sein wird. „In meiner alten Heimat kannte sich niemand mit Epilepsie aus. Meine Eltern und ich haben uns gefragt: Wo kann ich hin, wo gibt es Menschen, die diese Krankheit verstehen? So bin ich nach Bethel gekommen.“ Seit sechs Jahren lebt die 24-Jährige in Bielefeld-Bethel und nutzt die verschiedenen Hilfeangebote des Epilepsie-Zentrums.

Sarah Garrn sitzt auf ihrem Sofa und liest ein Buch.
Inzwischen lebt die 24-Jährige in einer eigenen Wohnung. Sie genießt es, die Tür schließen zu können und Zeit für sich zu haben.

Ihr erstes Zimmer hatte sie im Haus Fernsicht, in dem es eine 24-Stunden-Betreuung gibt. Ihre Hauptbezugsmitarbeiterin dort war Andrea Diekötter. „Man erarbeitet zusammen die Dinge des Alltags. Wie hält man seine Wohnung sauber, wie erledigt man die Post, wie teilt man sich das Geld richtig ein?“, erklärt die Bethel-Mitarbeiterin. Außerdem konnte sich Sarah Garrn im Haus mit den gleichaltrigen Mitbewohnern austauschen. „Es tat gut zu wissen: Die haben das, was ich auch habe, die verstehen mich!“, sagt die 24-Jährige.

Schon ein Jahr später wechselte sie ins Haus Mamre in eine ambulante Betreuung. Auch der Wunsch zu arbeiten wurde in ihr stärker. „Ich habe dann in den Werkstätten von proWerk verschiedene Praktika gemacht“, erzählt sie. Im Grünen Bereich, im Lager und in der Montage probierte sie sich aus. Sie traut sich jetzt immer mehr zu. Sie wagt sich sogar an einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz heran, der Werkstattbeschäftigten den Wechsel oder die Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt erleichtert.

Sarah Garrn übergibt in der Kantine ein Tablett an einen Gast.
In der Kantine im Berufsbildungswerk arbeitet Sarah Garrn in der Essensausgabe mit. Fotos: Christian Weische

Sarah Garrn arbeitete zunächst in der Kantine des Gymnasiums Brackwede; zu Beginn dieses Schuljahrs wechselte sie in die Kantine des BBW, wo ihr Weg mit dem Epilepsie-Zentrum Bethel begonnen hatte. Hier kümmert sie sich um die Essensausgabe, unterstützt den reibungslosen Ablauf, bedient die Spülmaschinen. „Die Hitze und der Wasserdampf machen mir manchmal zu schaffen“, sagt sie. Ihre Mitarbeiter wissen um ihre Epilepsie und um die kurzen Absencen, die sich bei Anstrengung einstellen können. Dann braucht Sarah Garrn eine kleine Auszeit, ehe es mit neuer Kraft weitergeht.

Seit diesem Jahr lebt die junge Frau eigenständig in einer Wohnung im Karl-Schnitger-Weg. Ein Notfalldienst ist erreichbar, wenn er gebraucht wird. Einmal im Monat besucht sie ihre Eltern und ihre drei Geschwister in Stade. Aber ihre feste Heimat hat sie in Bielefeld gefunden. „Hier treffe ich meine Freunde, und die Gegend hier ist einfach wundervoll“, schwärmt sie. Die Arbeitsstelle kann sie zu Fuß erreichen. Alles ist auf dem Weg bei Sarah Garrn.

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