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18.05.2017

Tag der Pflege in Bethel


Die Organisatorinnen gestalteten einen politischen Tag der Pflege v.l.) Christoph Schmidt, Pflegedirektor der Klinik Mara, Lars Kozian, Einrichtungsleiter Haus Elim, Uwe Borchers, Moderation, Petra Krause, Leiterin Gesundheitsschulen im EvKB, Rainer Kleßmann, pflegerischer Abteilungsleiter im EvKB, Dr. Markus Mai, Sandra Mantz, Gesprächstherapeutin, Dr. Johanna Will-Armstrong, Vorstand, Melissa Henne, Leitung Strategische Unternehmensentwicklung Bethel und Dr. Rainer Norden.

Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerats in Berlin, machte in Bethel deutlich, dass die Pflegenden keine Assistenten der Ärzte sind. Fotos: Paul Schulz

Die Pflege gibt sich kämpferisch

Der Tag der Pflege in Bethel war politisch. Zum 150-jährigen Jubiläum hatten sich die Organisatoren der Fachveranstaltung das so gewünscht. Mit Dr. Markus Mai aus Rheinland-Pfalz war beispielsweise ein Redner zu Gast, der Präsident einer Landespflegekammer ist, einer beruflichen Vertretung nur für Pflegekräfte. Davon gibt es in Deutschland erst drei, in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die Kammer in Nordrhein-Westfalen wird zurzeit aufgebaut.

Eins der wichtigsten Ziele der Pflegekammern ist es, den Pflegeberuf als Heilberuf anerkennen zu lassen. Nach deutschem Recht ist es bisher nur Ärzten, Apotheken und Psychologischen Psychotherapeuten vorbehalten, die Heilkunde auszuführen. „Die Pflege gehört zu den Heilberufen“, unterstreicht auch Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerats (DRP). Er wünsche sich, sagte er beim Betheler Tag der Pflege, eine selbstbewusste und kämpferische Pflege, die sich selbst für ihre Interessen einsetzt. 

Der DPR-Präsident machte seinem Ärger darüber Luft, wie in der Öffentlichkeit und in den Medien, mit der Pflege umgegangen werde. Es werde zwar über die Pflege aber nicht mit ihr geredet, kritisierte er. „Die Ärztekammer mischt sich öffentlich in die Ausbildung in den Pflegeberufen ein. Das wäre ja so, als ob die Fleischerinnung über die Ausbildung zum Elektriker mitbestimmt“, wetterte er. Andreas Westerfellhaus setzt sich für die generalistische Ausbildung ein. Sie führt die drei Ausbildungen in der Kinder,- Kranken- und Altenpflege zusammen. Die Ärzteschaft befürchtet dadurch eine Qualitätsminderung.

Deutschland gehört in Europa zu den Schlusslichtern beim Personalschlüssel in den Krankenhäusern. Auf 100 Patienten kommen im Schnitt 12,3 Pflegekräfte, in Polen sind es 15,2 in der Schweiz 29,5 und in Norwegen gar 49,5. Mitverantwortlich für die Misere seien die DRGs, die Fallpauschalen, in den Krankenhäusern, so der Präsident des Deutschen Pflegerats. „Ich bin die DRGs gründlich leid“, schimpfte Andreas Westerfellhaus. Denn sie seien es, die die Pflege zum reinen Kostenfaktor degradierten. Rund 250 000 Pflegekräfte fehlen derzeit. Die Tendenz ist steigen.

In Bethel arbeiten derzeit 6000 Pflegende in acht Bundesländern. Damit sind sie die stärkste Berufsgruppe in Bethel. „Und sie sind die gelebte Praxis unseres Jubiläumsslogans ‚Für Menschen da sein‘“, betonte Dr. Rainer Norden, Bethel-Vorstand und Geschäftsführer des Evangelischen Klinikums Bethel. Für ihn war die Veranstaltung, an der 200 Mitarbeitende aus den Einrichtungen der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel teilnahmen, ein voller Erfolg: „Im Jubiläumsjahr wollen wir uns einrichtungsübergreifend weiter vernetzen und miteinander ins Gespräch kommen. Diese Veranstaltung zum Thema Pflege hat das erreicht.“


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