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28.08.2014

100 Jahre Schillingshof


Historische Ansichten des Schillingshofs.

Fotos: Bethel

Eine neue Chance für die »Wanderarmen«

Heute vor genau 100 Jahren wurde der Schillingshof in Bielefeld-Senne eingeweiht. Der Bauernhof wurde zur Keimzelle einer ganzen Siedlung. Auch heute noch wird der Schillingshof von Bethel genutzt.

Bereits 1913 kaufte Bethel mehrere kleine Höfe in der Senne, um eine Zweigstelle der benachbarten Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf einzurichten. Dazu gehörten auch rund 500 Morgen Land, das zu großen Teilen nicht kultiviert war. Benannt wurde der Schillingshof nach der Stifterfamilie, deren Kapital den Erwerb ermöglicht hatte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Kolonie am 28. August 1914 feierlich eingeweiht. Da viele obdachlose Menschen Soldaten wurden und in der Ortschaft Bethel Platzmangel herrschte, weil Häuser zu Lazaretten um funktioniert wurden, zogen zunächst Menschen mit Epilepsie in die neue Einrichtung. Erst nach Kriegsende wurde der Schillingshof für die so genannten Wanderarmen genutzt. Viele Jahre später, im Zweiten Weltkrieg, sollte der Sennehof ein zweites Mal Menschen mit Epilepsie beherbergen.

Zur »Grundausstattung« der jungen Arbeiterkolonie gehörten Pferde, Kühe und Schweine, auf den Ackerflächen wurden Roggen, Mais und Gerste angebaut. 1927 tauschte Bethel einige Flächen mit der Stadt Bielefeld: Die Stadt konnte den Flugplatz an der Windelsbleicher Straße anlegen, und der Schillingshof wurde über eine Straße, die über städtisches Gelände führte, mit der Betheler Ortschaft Eckardtsheim verbunden.

Eine tiefgreifende Veränderung kündigte sich in den 1950erJahren an, als in Bethel Wohnraum für aktive und pensionierte Mitarbeitende gesucht wurde. Auf dem Schillingshofgelände entstand eine Siedlung, die 1965 mit der LukasKapelle sogar ein eigenes Gotteshaus erhielt. Der Hof selbst wurde 1958 erstmals modernisiert, doch der große Umbruch erfolgte erst 1982. In dezentraler Bauweise entstanden für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten ein neuer Wohnbereich, vier »Übergangsheime« sowie ein Bereich für ältere Bewohner. Insgesamt gab es 110 Plätze. Gleichzeitig wurde eine Werkstatt eingerichtet.

Heute betreibt der Stiftungsbereich proWerk dort die »Werkstatt Senne«. 100 Jahre nach der Gründung gibt es auf dem Schillingshof ein »Nebeneinander«: Zum einen hat hier die Wohnungslosenhilfe Süd ihren zentralen Dienstsitz, zum anderen gibt es 45 Plätze in der stationären Eingliederungshilfe für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, chronischen psychiatrischen Erkrankungen oder komorbiden Störungen. Bald wird es weitere Veränderungen geben, wenn 15 Bewohner in den benachbarten Sigmarshof umziehen.


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