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07.11.2016

13. Forum Diakoniewissenschaft


IDM-Institutsdirektor Prof. Dr. Matthias Benad (r.) und sein Stellvertreter Prof. Dr. Martin Büscher (2. v. l.) begrüßten als Referenten (v. l.) den Betheler Bereichsleiter Halil Karacayli, Dr. Dorothee Steiof von der Caritas, Prof. Dr. Dierk Starnitzke von der Diakonischen Stiftung Wittekindshof und Prof. Dr. Beate Hofmann vom IDM.

Prof. Dr. Beate Hofmann skizzierte, was die religiöse und kulturelle Vielfalt für die Diakonie bedeutet.

Rund 120 Führungskräfte aus Deutschland und anderen Ländern nahmen am Forum Diakoniewissenschaft im Betheler Assapheum teil. Fotos: Paul Schulz

In religiöser Vielfalt diakonisch führen

Eine Kultur der Vielfalt und der Chancengleichheit stärkten die Innovationskraft eines Unternehmens und seine Anpassungsfähigkeit auf dem Markt, betonte Monika Ruehl von der Deutschen Lufthansa AG beim 13. Forum Diakoniewissenschaft am 4. November in Bielefeld-Bethel. Sie weiß, wovon sie spricht: In der Mitarbeiterschaft des Großunternehmens sind 117 Nationalitäten vertreten. Unter dem Titel „In religiöser Vielfalt diakonisch führen“ bot das Institut für Diakoniewissenschaft und DiakonieManagement (IDM) mit seinem diesjährigen Forum auch die Möglichkeit, einen Blick auf die freie Wirtschaft zu werfen.

Die Lufthansa sei 2001 das erste Unternehmen in Deutschland gewesen, das eine „diversity unit“ eingerichtet habe, so Monika Ruehl. Für den Bereich war sie 13 lang verantwortlich. Die kulturelle Vielfalt bringe höhere Anforderungen an die interkulturelle Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und an ihre Kenntnisse der verschiedenen Kulturen mit sich. Auch erfordere die Vielfalt eine individualisierte und sensible Ansprache der Mitarbeitenden. Grundsätzlich seien Toleranz, Menschlichkeit und Respekt die Garanten für eine gute Zusammenarbeit – Werte, die auch der Diakonie vertraut sind. Anders als in der Diakonie ist aber die religiöse Zugehörigkeit bei der Lufthansa ein Thema, das nicht einzeln, sondern im Rahmen der kulturellen Vielfalt bearbeitet wird.

„Die Diakonie dagegen ist parteilich und weltanschaulich gebunden“, wies Prof. Dr. Beate Hofmann vom IDM auf die besondere Bedeutung des Themas für die Diakonie hin. „Die Diakonie ist nicht nur ein sozialer Dienstleister, sondern Ausdruck des christlichen Glaubens.“ Bisher habe man den christlichen Charakter einer diakonischen Einrichtung sicher gestellt, indem man Christen eingestellt habe. Heute haben sich die Rahmenbedingungen geändert: Es gibt es den Fachkräftemangel sowie eine wachsende Säkularisierung und religiöse Pluralität in der Gesellschaft. „Wir wissen noch sehr wenig darüber, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die keiner christlichen Kirche angehören, mit der Erwartung umgehen, dass sie in ihrer Arbeit den kirchlichen Auftrag beachten“, so Prof. Hofmann. Zu dem Thema läuft bis 2018 ein Forschungsprojekt am IDM.

Die Vielfalt in einem diakonischen Unternehmen wirft konkrete Fragen auf: Wie geht man mit der Religiosität im Alltag um? Was geschieht mit dem christlichen Wahrheitsanspruch? Wie stärkt die Vielfalt die diakonische Identität? Welche Aufgaben bringt sie für die Führungskräfte mit sich? „Wir befinden uns in einer großen Suchbewegung!“, unterstrich Prof. Hofmann. Und dabei dürfe man nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern müsse im Unternehmen einen offenen Diskussionsprozess anstoßen, sagte Dr. Dorothee Steiof von der Stabsstelle „Theologie und Ethik“ der Caritas in Rottenburg-Stuttgart. „Es ist nicht schlimm, wenn erst einmal Sprachlosigkeit herrscht, aber es muss die Gelegenheit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Sie habe die Erfahrung gemacht, dass die Enttabuisierung der Themen Spiritualität und Religion und die offene Beschäftigung mit Glaubensfragen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch als befreiend empfunden würden.

 

 


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