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12.06.2013

15 Jahre "Haus Zuversicht"


Foto: Reinhard Elbracht

Jubiläum mit kritischen Tönen

Das stationäre Hospiz „Haus Zuversicht“ feierte jetzt sein 15-jähriges Bestehen. Das Jubiläum wurde mit einem Festakt im Kleinen Saal im Assapheum in Bethel begangen. 120 Gäste wurden erwartet. Zur Freude der Veranstalter kamen aber mehr Besucher, die auf diese Weise ihre Verbundenheit mit der Einrichtung zum Ausdruck bringen wollten. Neben viel Lob waren bei der Feierstunde auch kritische Töne zu hören. Vor allem die Standardisierung von Arbeitsprozessen und das Qualitätsmanagement in der Sterbebegleitung bereiten den Hospizmitarbeitenden zunehmend Kopfzerbrechen. „Wir müssen uns fragen, wo ist es sinnvoll mit der Veränderung mitzugehen, und wo muss man Werte retten“, stellt Beate Dirkschnieder, Sozialarbeiterin im Haus Zuversicht, fest.

Als Referentin hatten die Veranstalter eine Soziologin eingeladen, die zum Thema Hospizbewegung geforscht hat. Dr. Michaela Fink ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Ihre Arbeit trägt den Titel: „Von der Initiative zur Institution - Die Hospizbewegung zwischen lebendiger Begegnung und standardisierter Dienstleistung.“ Die zunehmende Institutionalisierung, die Standardisierung und das Qualitätsmanagement in der Sterbebegleitung findet Dr. Michael Fink problematisch.

Auch Adelheid Rieffel, eine der Pionierinnen der Hospizbewegung, betrachtet die Entwicklung nicht ohne Sorge. Die Bethelmitarbeiterin war Mitbegründerin des deutschen Dachverbands, der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz. In Bethel setzte sie sich für die Einrichtung des stationären Hospizes ein, das sie sieben Jahre lang leitete. Wenn Handreichungen zu Standards werden, dann findet sie das bedenklich. „Da ist ein Angehöriger im Hospiz zu Besuch, der bekommt einen Kaffee gereicht. Eine kleine aber in dieser Situation bedeutende Geste der Zuwendung. Wenn sie das in einen Standard nehmen, dann machen sie diese Geste kaputt“, beschreibt Adelheid Rieffel anschaulich.

Die Feierstunde bot aber auch Raum für viel Lob und Anerkennung. „Durch ihre tägliche Arbeit zeigen sie den sterbenden Menschen: ihr seid nicht allein“, drückte der stellvertretende Oberbürgermeister von Bielefeld, Detlef Helling, seine Dankbarkeit für das Engagement der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus Zuversicht aus. Und Bethel-Vorstand, Pastor Bernward Wolf, unterstrich die Bedeutung, die das Arbeitsfeld für die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel habe. „Die ersten Jahre waren eine bewegte Zeit. Die Bewunderung, der Respekt und das gute Ansehen auch außerhalb Bethels - das ist ihr Verdienst.“


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