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16.07.2020

80 Jahre Denkschrift gegen "Euthanasie"


Pastor Fritz von Bodelschwingh (l.) und Pastor Paul Gerhard Braune (1942)

Pastor Paul Gerhard Braune

Pastor Fritz von Bodelschwingh

Heute vor 80 Jahren – am 16. Juli 1940 – wurde die einflussreiche Denkschrift gegen Euthanasie, die Pastor Paul Gerhard Braune in enger Abstimmung mit Fritz von Bodelschwingh verfasste, an die NS-Regierung übergeben. Das gut zwölf Seiten lange Papier „Betrifft: Planmäßige Verlegung der Insassen von Heil- und Pflegeanstalten“ wurde offiziell in der Reichskanzlei eingereicht.

Ende Oktober 1939 hatte Adolf Hitler einen Geheimerlass ausgegeben, wonach „unheilbar Kranken … der Gnadentod gewährt werden“ sollte. Der Beginn der „Aktion T4“. Eine „geheime Reichssache“. Braune und Bodelschwingh beginnen monatelang zu sammeln, was mit behinderten Menschen passierte. Akribisch hatte der Leiter der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal alles aufgeschrieben, was sie aus ihren Netzwerken in der Inneren Mission in ganz Deutschland, von Kirchengemeinden und von weiteren persönlichen Kontakten erfahren hatten.

„Im Laufe der letzten Monate ist in den verschiedenen Gebieten des Reiches beobachtet worden, daß fortlaufend eine Fülle von Insassen der Heil- und Pflegeanstalten aus ›planwirtschaftlichen Gründen‹ verlegt werden, zum Teil mehrfach verlegt werden, bis nach einigen Wochen die Todesnachricht bei den Angehörigen eintrifft. Die Gleichartigkeit der Maßnahmen und ebenso die Gleichartigkeit der Begleitumstände schaltet jeden Zweifel darüber aus, daß es sich hierbei um eine großzügig angelegte Maßnahme handelt, die Tausende von ›lebensunwerten‹ Menschen aus der Welt schafft.“ Mit diesen Worten beginnt die Denkschrift, und es folgen seitenlang erschütternde Details.

Der Inhalt der Denkschrift war mutig. Und deren Verbreitung? Hier wurde der Amtsweg gewählt, die Legalitätslinie, für die sich Bodelschwingh und auch Braune als gangbaren Weg gegen die „Euthanasie“ entschieden hatten. Der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Matthias Benad schreibt dazu, Braune und Bodelschwingh hätten auf einen moralischen Appell an die Nazi-Regierung gesetzt: „Das entsprach ihrem konservativen Staatsdenken, das von einer untrennbaren Verbindung von Recht und Staat ausging. Nach vierzehn Tagen erging der mündliche Bescheid aus der Reichskanzlei, die Maßnahmen würden nicht eingestellt, in Zukunft aber ›anständig‹ durchgeführt.“

Am 12. August 1940 wurde Paul Gerhard Braune von der Gestapo verhaftet. Drei Monate blieb er in sogenannter „Schutzhaft“. Der Haftgrund: Gegnerschaft zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt. Es lässt sich nicht nachweisen, dass der wahre Grund für die Inhaftierung die Denkschrift war.

Einen ausführlichen Artikel gibt es in der aktuellen Ausgabe von DER RING .


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