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09.04.2015

Paartherapie bei Sucht – wenig beachtet, aber hoch effektiv


Für den Workshop konnte Dr. Martin Reker (vorne, M.) die amerikanische Expertin Prof. Dr. Barbara McCrady (3. v. r.) gewinnen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren vor allem Sucht-, aber auch Paartherapeuten aus Bethel und von anderen Trägern. Fotos: Reinhard Elbracht

Die Partner suchtkranker Menschen in die Therapie einzubeziehen ist erfolgreich. Das belegen amerikanische Studien. Foto: Paul Schulz

Amerikanische Expertin im Ev. Krankenhaus Bielefeld

„Die Partner von suchtkranken Menschen verstärkt in die Therapie einzubeziehen hat eine große Dynamik in die Suchtarbeit gebracht“, so Dr. Martin Reker vom Ev. Krankenhaus Bielefeld. In der dortigen Psychiatrischen Institutsambulanz werden bereits seit einigen Jahren Paartherapien angeboten, und es gibt in dem Betheler Krankenhaus Paarentgiftungen, wenn beide Partner suchtkrank sind. „Innerhalb der Suchttherapie gibt es kaum ein anderes Verfahren, dass so erfolgreich ist wie die Paartherapie.“ Umso mehr bedauert es der Betheler Suchtexperte, dass diese Therapieform bisher so wenig Beachtung in Deutschland findet.

Für einen Workshop konnte er jetzt eine der weltweit profiliertesten Therapeutinnen auf diesem Gebiet – Prof. Dr. Barbara McCrady von der Universität von New Mexico in Albuquerque – gewinnen. In der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie informierte die Direktorin des Center on Alcoholism, Substance Abuse and Addictions über die paartherapeutische Suchtarbeit. Ihre Hauptbotschaft: Das Gegenüber, mit dem man als Suchttherapeut arbeitet, ist das Paar. Gemeinsam werden Strategien für eine gute Partnerschaft entwickelt. Die Partner lernen, miteinander zu kommunizieren, Probleme zu lösen und gut miteinander umzugehen.

„Die Paartherapie verbessert zunächst die Beziehung, und das wirkt sich im weiteren Verlauf positiv auf die Suchtproblematik aus“, so Dr. Reker. Dass es trotzdem schwierig sei, die Paartherapie fest in die deutsche „Versorgungslandschaft“ einzubauen, liege zum einen daran, dass das deutsche Gesundheitssystem auf eine Individualversorgung ausgerichtet sei und Paartherapien nicht entsprechend refinanziert würden. Zum anderen erfordert die paartherapeutische Suchtarbeit eine besondere Expertise. „Paartherapeuten haben aber meist wenig Erfahrung in der Suchttherapie. Umgekehrt haben Suchttherapeuten selten eine paartherapeutische Qualifikation.“ Hier seien Veränderungen in der Ausbildung notwendig.

Kontakt: Dr. Martin Reker, Tel. 0521 772-78650, E-Mail Martin.Reker[at]evkb.de


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