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17.06.2016

Autea-Fachtag in Bielefeld


Professorin Mary E. van Bourgondien gehört zu den Pionierinnen des TEACCH-Konzepts, einem Förderprogramm für Autisten.

Mit Kopfhörern lauschten die über 200 Teilnehmenden den Übersetzungen in deutscher und englischer Sprache. Fotos: Paul Schulz

Autismus – besondere Herausforderungen für Eltern

Nach dreijähriger Pause veranstaltete das Bildungsinstitut Autea Mitte Juni wieder eine internationale Fachtagung zum Thema Autismus in Bielefeld. Über 200 Fachkräfte aus ganz Deutschland nahmen an der Veranstaltung in der Ravensberger Spinnerei teil. Zu den Referenten aus aller Welt gehörte unter anderem auch Mary E. van Bourgondien, Professorin der Universität North Carolina in Chapel Hill, USA. Sie gehört zu den Autismus-Experten, die maßgeblich an der Entwicklung des weltweit renommierten TEACCH-Programms beteiligt waren.

TEACCH ist das erfolgreichste Förderprogramm für Menschen mit Autismus. Das Autea-Team, das seit 18 Jahren mit der Division TEACCH der Universität North Carolin zusammenarbeitet, hat sich zum Ziel gesetzt das Konzept im deutschsprachigen Raum zu verbreiten. Das Team in Deutschland wird gebildet von Autismus-Fachkräften der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und des Sozialwerks St. Georg in Gelsenkirchen.

In ihrem simultan übersetzten Vortrag sprach Mary. E. van Bourgondien über die Herausforderungen, denen sich Familien mit einem autistischen Kind ausgesetzt sehen. In Vorbereitung auf ihren Vortrag in Bielefeld hatte die Wissenschaftlerin Interviews mit Eltern geführt. Aus den Antworten hat sie neun besonders hohe Herausforderungen gefiltert. So beschreibt sie unter anderem den langen mühsamen Weg, den die Eltern durchlaufen bis die Diagnose feststeht. „Danach verändert sich das ganze Leben“, sagt sie. Vom Alltag bis hin zu den Beziehungen wird alles in Frage gestellt. „Die Träume zerplatzen, manche hören auf zu arbeiten, weil es zeitaufwendig ist, das Kind von einer Therapie zur nächsten zu fahren. In Amerika kommt für die Familien die Sorge hinzu, wie sie das alles bezahlen sollen“, so die Referentin.

Dass Schuldgefühle sie plagten, gäben die meisten Angehörigen an, so Mary E. Bourgondien in ihrem Vortrag. Es sei die Aufgabe der Fachkräfte, ihnen diese zu nehmen „Die Philosophie von TEACCH ist es, die Eltern mit einzubeziehen. Sie brauchen jemanden, der ihre negativen Gefühle lindert. Wir Fachkräfte müssen helfen, dass sie mehr auf sich achten. Wir müssen ihnen ‚die Erlaubnis‘ geben, auch ein Leben außerhalb des Autismus führen zu dürfen“, so die Autismus-Expertin.

Die zweitätige Veranstaltung wurde vom Autea-Team organisiert. Als Referenten konnten Psychologen aus sechs Ländern gewonnen werden, die im regelmäßigen Austausch mit Autea stehen.


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