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05.07.2012

Bethel bietet Fortbildung für Bildungsträger


Mit der Glücksspirale zum inklusiven Unterricht (v.l.): Esther Wolf, Hartmut Heinze und Konrad Rodehutskors planen für die Bildungszukunft. Foto: Gunnar Kreutner

Das zarte Pflänzchen „Inklusion“

Die Abteilung Bildung & Beratung Bethel (B & BB) hat ein neues Curriculum entwickelt. Curriculum? Was ist denn das? Menschen mit Behinderung ziehen die rote Karte, wenn sie so ein Fremdwort hören. Denn schwer verständliche Sprache grenzt sie aus. Und darum geht es unter anderem auch in dem neuen Lehrplan, dem Curriculum. Kursleiter der Volkshochschulen in der Region werden weitergebildet, damit sie so unterrichten, dass alle Menschen sie verstehen. Das nennt man Inklusion.

„Wir haben in unserer Volkshochschule Dozentinnen und Dozenten, die sind studierte Pädagogen. Aber Bildungsarbeit für Menschen mit Behinderung war nie Gegenstand ihrer Ausbildung“, stellt Konrad Rodehutskors, Fachbereichsleiter für Politik und Gesellschaft, an der Volkshochschule (VHS) Bielefeld klar. „Die Methodik und Didaktik des inklusiven Unterrichts  ist ganz anders. Kursteilnehmer mit Lernbehinderung lernen in kleinen Schritten mit vielen Wiederholungen“, so der Dozent. Die Kursleiterinnen und Kursleiter warteten dringend auf ein Fortbildungsangebot für den inklusiven Unterricht.

Noch in diesem Jahr wird Bildung & Beratung Bethel (B & BB) die erste Fortbildung für Referentinnen und Kursleiter in der Erwachsenenbildung anbieten. Hartmut Heinze, Leiter der VHS Ravensberg in Halle, ist erleichtert, dass sich seine Mitarbeiter bald weiterqualifizieren können. Die VHS Ravensberg bietet Kurse in Halle, Borgholzhausen, Versmold, Steinhagen und Werther im Kreis Gütersloh an. Schon jetzt besuchen auch Menschen mit Behinderung einzelne Kurse. „Die Kursleitenden melden zurück, dass sie in manchen Situationen überfordert sind. Das geht über das Unterrichten hinaus. So haben sie beispielsweise nie gelernt, Menschen mit Behinderung beim Toilettengang zu unterstützen“, so Hartmut Heinze.

Seit 34 Jahre gibt Bildung & Beratung Bethel Kurse für erwachsene Menschen mit Behinderung, Lernbehinderung oder psychischen Erkrankungen. Fast alle Kurse finden in Einrichtungen der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel statt. „Das muss sich ändern. Das ist keine Inklusion“, stellt Esther Wolf, Fortbildungsdozentin beim B&BB, klar. „Menschen mit Behinderung sollen raus aus dem geschützten Raum und dort lernen, wo alle anderen auch lernen zum Beispiel in den Volkshochschulen“, betont Esther Wolf. Das ist der Wille des Gesetzgebers, der die UN-Konvention umsetzt. Darin wird gefordert Menschen mit Behinderung die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und an der Bildung zu garantieren.

Im Basiskurs für Kursleitende lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer praktische Dinge, beispielsweise eine einfache Sprache zu gebrauchen oder mit Piktogrammen zu arbeiten. Darüber hinaus setzen sie sich mit Themen wie Menschenbild, Haltung oder Wertschätzung auseinander. Die Glückspirale fand das Kursprogramm förderungswürdig und unterstützt die Durchführung finanziell. Esther Wolf freut sich mit den Volkshochschulen über die Entwicklung. „Es hat etwas Gutes angefangen, und es ist im Werden. Inklusion ist noch ein zartes Pflänzchen. Aber es wird stetig begossen.“


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