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27.01.2016

Bethel engagiert sich für junge Flüchtlinge


Pressegespräch im Haus Libanon.

Regionalleiter Michael Walde.

Vanessa Dobler engagiert sich für junge Flüchtlinge im Haus Libanon.

Dyar Hussein aus Syrien und Devi Kala (v.l.) aus Albanien sind seit fünf Monaten in Deutschland. Fotos: Reinhard Elbracht

In den Ortschaften Bethel und Eckardtsheim in Bielefeld, in Gütersloh, in Breckerfeld im Ruhrgebiet sowie im Landkreis Diepholz in Niedersachsen engagieren sich die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Allein im Raum Bielefeld/Gütersloh werden rund 140 junge Flüchtlinge von der Jugendhilfe Bethel Bielefeld in der Clearingphase für etwa ein Vierteljahr betreut. Weitere 40 bekommen zurzeit im Anschluss daran Hilfe zur Erziehung (stationär) durch Bethel.

Das Spektrum der Arbeit der Jugendhilfe für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ist breit und reicht von der Erstaufnahme über die Klärung des Aufenthaltsstatus, Deutschunterricht, finanzielle Fragen/Taschengeld, Schulbesuch, Berufsorientierung und -förderung bis zur Familienzusammenführung. Am Kerschensteiner Berufskolleg in Bielefeld-Bethel ist zum Beginn des laufenden Schuljahres für 25 Flüchtlinge auch eine „Berufsschulklasse“ eingerichtet worden. Es wird ebenso versucht, für Jugendliche Berufspraktika zu organisieren.

Von den rund 140 jungen Leuten in der Clearingphase der Jugendhilfe Bethel stammen etwa 10 bis 15 Prozent aus dem nordafrikanischen Raum. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz von ihnen sei kriminell, präge aber häufig das Bild in der Öffentlichkeit, erklärt Michael Walde, Regionalleiter der Jugendhilfe Bethel in Bielefeld. Die Jugendhilfe Bethel arbeitet eng und reibungslos mit der Polizei und den Behörden zusammen. Probleme entstehen allerdings, wenn Vergehen nicht konsequent geahndet, Strafen nicht vollstreckt oder Abschiebungen nicht vollzogen werden.  „Die allermeisten unserer Jugendlichen sind aber sehr engagiert und tun alles dafür in Deutschland eine Perspektive zu entwickeln“, betonte Vanessa Dobler, Bereichskoordinatorin der Wohngruppe Libanon, bei einem Pressegespräch im Haus Libanon.  

Nach dem so genannten „Königsteiner Schlüssel“ müsste zum Beispiel die Stadt Bielefeld 247 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen, tatsächlich leben in Bielefeld aber bereits rund 500 junge Flüchtlinge. Entsprechend groß sind die Probleme: In der Jugendhilfe fehlen Fachpersonal und räumliche Möglichkeiten, es fehlen Schul- und Ausbildungsplätze und für die Zeit nach der Clearingphase fehlen Wohnmöglichkeiten. Insgesamt beklagen auch die Betheler Fachleute, dass die Wartezeit um einen Asylantrag zu stellen und schließlich die Zeit bis zur Entscheidung über ein Asyl mit jeweils mehreren Monaten bis zu einem Jahr und mehr viel zu lange dauert.

Nach einer gesetzlichen Neuordnung zur besseren Verteilung von Jugendlichen minderjährigen Flüchtlingen im November vergangenen Jahres deute sich hier mittelfristig eine Verringerung der Zahlen und damit eine Verbesserung der Lage an, ist Michael Walde optimistisch. Bethel und andere freie Träger der Jugendhilfe sind zurzeit in engem Austausch mit der Stadt Bielefeld und suchen nach Lösungswegen. 


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