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03.04.2017

CRA-Kongress in Bielefeld-Bethel


Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Hertie School of Governance Berlin, Dr. Darius Tabatabai, Hartmut-Spittler- Fachklinik Berlin und Dr. Martin Reker, CRA-Experte im Ev. Klinikum Bethel eröffneten mit ihren Referaten den Kongress (v.l.).

Über 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Veranstaltung im Assapheum.

Es muss ein Ziel geben, für das es sich lohnt, aufzuhören. Fotos: Schulz

Der schwierige Suchtpatient

Menschen mit einer Suchterkrankung haben mit Vorurteilen zu kämpfen. Denn das Trinken ist gesellschaftlich akzeptiert, nicht aber der Trinker. „Suff führt zur Stigmatisierung“, machte Dr. Darius Tabatabai beim CRA-Kongress in Bielefeld deutlich. Der Berliner Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie war einer der Referenten der Suchttherapie-Veranstaltung im Assapheum in Bethel vom 29. bis 31. März.

Der Suchtpatient gilt auch bei Therapeuten als schwierig. Nicht umsonst wird er in einer Publikation als „ungeliebter Suchtpatient“ bezeichnet. Sie verhalten sich oft aggressiv, entwerten andere und sich selbst. So lösen sie bei den Behandlern negative Gefühle aus. Durch permanente Selbstreflexion könne der Therapeut gegensteuern, sagte Dr. Tabatabai beim CRA-Kongress vor den über 350 Teilnehmenden. „Er muss sich die Frage stellen: Kann ich immer wieder aufs Neue neben mich treten und überlegen, ob ich alles, was ich erlernt haben, wirklich zur Anwendung bringe.“

CRA steht für Community Reinforcement Approach, zu Deutsch, Gemeindeorientierte Suchttherapie. Das Behandlungskonzept stellt die Belohnung und Sinnstiftung in den Mittelpunkt der Suchttherapie. „Es muss ein Ziel geben, für das es sich lohnt, aufzuhören“, betonte Dr. Martin Reker, Leiter der Abteilung Abhängigkeitserkrankungen in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Ev. Klinikum Bethel. Er war der erste, der CRA aus Amerika in den deutschsprachigen Raum einführte.

Doch die Belohnung kann ein Ende haben, das wurde auf dem CRA-Kongress klar. Wenn der Patient erneut Drogen konsumiert, muss er die Konsequenzen tragen. „Die Klinik schließt mit dem Patienten einen Pakt, zum Beispiel mit einer suchtkranken Frau, die ihren minderjährigen Sohn behalten will“, so Dr. Martin Reker. Die Klinik hilft ihr, auch im Kontakt mit den Ämtern, dass das Kind bei ihr bleiben darf. „Sobald sie konsumiert, ist sie das Kind los. Das Jugendamt wird sofort informiert, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. Das ist der Deal zwischen der Klinik und der Frau“, macht Dr. Reker deutlich.


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