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13.02.2015

Das Trauma von Krieg, Vertreibung und Flucht bewältigen


Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge: Dr. Andrea Möllering (rechts) und Kathrin Dallwitz. Text und Foto: Manuel Bünemann

Etwa 5.000 Flüchtlinge aus Krisenregionen der ganzen Welt suchen in Bielefeld und Umgebung Schutz. Der Bedarf nach medizinisch-psychologischer Unterstützung ist groß. Schätzungen zufolge leiden allein 40 Prozent der Flüchtlinge an einer Traumafolgeerkrankung. In Bielefeld gibt es jetzt ein Hilfsangebot, das diesen Menschen eine bessere psychosoziale Unterstützung bietet.

„Wir benötigen eine Diagnose. Zum einen für das Asylverfahren, zum anderen aber auch für die Behandlung und die Stabilisierung des Umfelds der Flüchtlinge“, erklärt Diplom-Sozialarbeiterin Kathrin Dallwitz vom Verein „Arbeitskreis Asyl Bielefeld“. Gemeinsam mit der Klinik für Psychotherapeutische und Psychosomatische Medizin im Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB) hat der Verein seit vergangenem Frühjahr das Angebot der psychosozialen Beratung für Flüchtlinge (PSF) entwickelt.

„Wir fühlen uns verpflichtet, Benachteiligten zu helfen“, sagt Klinik-Chefärztin Dr. Andrea Möllering. Dankbar sei sie dem EvKB, denn das Krankenhaus finanziert die zusätzliche Therapeutenstelle, die zuerst vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert, die Förderung zum Jahreswechsel aber nicht verlängert wurde. „Wir sind dadurch ein langfristiger und zuverlässiger Ansprechpartner für die Flüchtlinge“, so Dr. Möllering.

In gemeinschaftlicher Arbeit bewirkt die PSF manchen psychotherapeutischen Erfolg. Für Flüchtlinge, die von Vermittlungsstellen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder Rechtsberatungen an den AK Asyl Bielefeld vermittelt werden, stellt dieser bei Verdacht auf eine Traumafolgeerkrankung direkten Kontakt mit dem Team der Klinik im Johannesstift her. „Neben einer medizinisch-psychologischen Einschätzung des Ausmaßes einer solchen Erkrankung besteht hier die Möglichkeit zur Krisenintervention. Damit stabilisieren, beruhigen und unterstützen wir die Patienten, die oft Schreckliches erlebt haben“, erklärt Dr. Möllering. 21 Flüchtlinge, die unter anderem aus Nigeria, Afghanistan oder Tschetschenien stammen, konnten bereits in der Klinik von diagnostischer Einschätzung bis zu therapeutischer Krisenintervention profitieren.


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