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08.05.2019

Dr. Henning Scherf beim Sarepta-Fachtag


„Man muss der Vereinsamung entgegenwirken“, fordert Dr. Henning Scherf.

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahmen am Fachtag in der Neuen Schmiede teil.

Dr. Henning Scherf (l.) freute sich über die Einladung zum Fachtag von Diakonisse Anke Frickmann und Wilfried Wesemann. Fotos: Paul Schulz

Für ein Miteinander der Generationen

„In der Mitte der Gesellschaft alt werden – das wünsche ich mir“, betonte Dr. Henning Scherf in seinem Impulsvortrag am Montag in der Neuen Schmiede in Bielefeld-Bethel. Der Buchautor und ehemalige Bremer Bürgermeister plädierte beim Fachtag der Stiftung Sarepta für ein Miteinander der Generationen. „Früher war es auf dem Land selbstverständlich, dass mehrere Generationen zusammenlebten. Auch die älteren Menschen hatten bis zuletzt Aufgaben“, erzählte der 80-Jährige. Wie wichtig, das Zusammenleben und Gebrauchtwerden fürs Altwerden ist, belegte er mit einer Studie des Max-Planck-Instituts.

Henning Scherf selbst lebt mit seiner Frau und Freunden seit den späten 1980er-Jahren in einer Zehn-Personen-Wohngemeinschaft. Sich aufeinander verlassen können und auch in schweren Zeiten füreinander da zu sein – das zeichne dieses Modell besonders aus. „Es gibt heute so viele Singlehaushalte“, kritisierte der ehemalige Politiker. Dieser Vereinsamung müsse man entgegenwirken. Anlässe und Möglichkeiten gebe es genug, sich für eine sorgende Gemeinschaft einzusetzen – ob die Aufnahme von Pflegekindern oder das Engagement für Flüchtlinge. Der Bremer unterstützt vorrangig Projekte, die Begegnungen zwischen Alt und Jung schaffen.

Was einen glücklich macht und alt werden lässt, sind die Netzwerke, die einen tragen, ist Dr. Henning Scherf überzeugt. Das sehe man besonders an den Diakonissen. „Ich habe das Gefühl, sie werden alle über 100 Jahre alt“, sagte der Redner schmunzelnd. Und das obwohl sie ihr Leben lang hart gearbeitet haben, ergänzte er. „Alle reden immer „vom Bodelschwingh“, dabei hat er die Politik gemacht und die Diakonissen die Pflege“, hob er hervor. Der Fachtag zu den Arbeitsfeldern der Stiftung war der Abschluss der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der Sarepta-Schwesternschaft. „Ich bewundere, dass sie den Wandel geschafft haben“, lobte der Autor. Verschiedene Generationen in unterschiedlichen Lebensformen verbindet die Schwesternschaft heute und macht Sarepta zu einer tragenden Gemeinschaft, bestätigte die Leitende Schwester Diakonisse Anke Frickmann.

Wilfried Wesemann aus der Direktion der Stiftungen Sarepta und Nazareth bedankte sich bei Henning Scherf für die werteorientierte Betrachtung des Generationenvertrages, der häufig nur auf demografische Zahlen und ökonomische Fragen reduziert werde. „Der Vortrag hat Mut gemacht für eine solidarische Gesellschaft“, unterstrich er. Im Anschluss gaben Workshops Einblicke in verschiedene Bereiche der Pflege.


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