v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
02.07.2010

Einstellungen zur Anfallserkrankung untersucht


Erfreulicher Trend: Immer weniger Menschen in Deutschland haben Ängste oder Vorurteile gegenüber Menschen mit Epilepsie. Foto: Paul Schulz

Besseres „Epilepsieklima“ in Deutschland

Immer weniger Menschen in Deutschland haben Ängste im Umgang mit anfallskranken Menschen oder negative Vorurteile gegenüber Betroffenen. Die Einstellungen der Bevölkerung gegenüber Epilepsiekranken haben sich in den vergangenen 40 Jahren kontinuierlich verbessert. Das ergab eine Studie unter der Federführung des Epilepsie-Zentrums Bethel, die jetzt veröffentlicht wurde.

„Negative Einstellungen in Form von Kontaktvermeidung und Stereotypen haben seit 1967 kontinuierlich abgenommen“, berichtet Rupprecht Thorbecke vom Epilepsie-Zentrum Bethel. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie hat das Epilepsie-Zentrum Bethel gemeinsam mit der Universitätskinderklinik Kiel und dem Bielefelder Forschungsinstitut „TNS Healthcare“ im Jahr 2008 mehr als 2000 Menschen aus privaten Haushalten befragt. Die Ergebnisse der Erhebung hat das Forschungsteam mit früheren Untersuchungen verglichen, um Veränderungen des so genannten „Epilepsieklimas“ zu ermitteln.

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung ergab die Befragung der Studie „Einstellungen zu Epilepsie in Deutschland – 1967 bis 2008“, dass immer noch etwa 10 Prozent der Bevölkerung „deutlich negative Einstellungen“ haben und keine Kontakte mit epilepsiekranken Menschen wünschen. Eine wesentliche Ursache dafür sei geringes Wissen über die Behandlungsmöglichkeiten und richtiges Verhalten bei einem Anfall, erläutert Rupprecht Thorbecke. Nur 45 Prozent der Bevölkerung wissen, dass Epilepsie erfolgreich behandelt werden kann. Ein Drittel der Befragten hält Menschen mit Epilepsie für ungeeignet in Berufen wie Metallarbeiter, Lehrer oder Krankenschwester zu arbeiten.

Entscheidend für die negativen Einstellungen in der Bevölkerung sind auch emotionale Reaktionen gegenüber Epilepsiekranken. Die Studie ergab, dass die Hälfte bis zu zwei Drittel der Befragten „epilepsiebezogene Ängste“ bei Begegnungen mit anfallskranken Menschen hat – insbesondere Ängste vor unvorhersehbarem Verhalten oder vor Verletzungen und Unfällen bei Anfällen im Alltag oder bei der Arbeit. Arbeitskollegen mit einer Epilepsie lösen im Vergleich zu Kollegen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Herzinfarkt sowie Rollstuhlfahrern eine höhere Verunsicherung aus. Solche Ängste werden nach Überzeugung der Forscher durch persönliche Erfahrungen mit Betroffenen reduziert.


© 2019 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel