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15.12.2015

Erste Clearingstelle für Eltern mit Behinderungen


André H. will seinen Sohn gut versorgen. Dabei wird er von Petra Thöne (r.) unterstützt. Mutter Anita M. kommt jeden Tag in den Ellernkamp. Fotos: Paul Schulz.

Bundesweit wegweisendes Projekt wird 2016 eröffnet

„Jeder Mensch – ob behindert oder nicht – hat das Recht auf Elternschaft“, betont Petra Thöne. Sie leitet die „Begleitete Elternschaft Am Ellernkamp“ in Bielefeld. Der Betheler Dienst unterstützt Eltern mit Behinderungen, damit sie ihre Kinder gut versorgen und erziehen können. Zu dem stationären Wohnangebot kommt 2016 eine Clearing-Einrichtung hinzu. In einem geregelten mehrmonatigen Verfahren wird dort ab kommendem Herbst der Unterstützungsbedarf von Eltern mit Behinderungen abgeklärt - ein bundesweit wegweisendes Projekt.

Für die neue Aufgabe mietet Bethel im Bielefelder Stadtteil Ummeln zwei Etagen in einem Neubau der Bielefelder Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft an. In dem Haus an der Eichenstraße werden Eltern, alleinerziehende Mütter oder Väter mit ihren Kindern für mindestens sechs Monate leben. Auch schon vor der Geburt des Kindes können schwangere Frauen und gegebenenfalls ihre Partner aufgenommen werden.

Während des Aufenthalts findet eine umfassende Diagnostik statt. Dazu gehören die Abklärung der Intelligenz und Persönlichkeit der Eltern und ihrer Bindungsfähigkeit, ebenso die Bewertung der Eltern-Kind-Beziehung und der Kindesentwicklung. Schon im Clearingverfahren findet eine Förderung der Eltern statt, um sie soweit wie möglich zu befähigen, ihrer Aufgabe als Eltern gerecht zu werden. Zwei Trainingswohnungen vervollständigen das Angebot. Um Eltern und Kinder kümmert sich ein multiprofessionelles Team mit sozial- und heilpädagogischen, pädagogischen, pflegerischen und hauswirtschaftlichen Qualifikationen.

Die Finanzierung von Unterstützungsangeboten für Eltern mit geistiger Behinderung werde in Deutschland von Region zu Region unterschiedlich gehandhabt, bedauert Petra Thöne, die sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft „Begleitete Elternschaft“ engagiert. Oft sei die Zuständigkeit der Träger - Jugendhilfe oder Eingliederungshilfe – ungeklärt. Die Begleitete Elternschaft Am Ellernkamp ist eine von nur fünf Einrichtungen bundesweit, in der Eltern mit Kindern bis zum 18. Lebensjahr begleitet werden. „Und eine reine Clearingstelle gab es, soviel ich weiß, bisher noch gar nicht“, so Petra Thöne.


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