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13.11.2015

Fachtag "Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern" in Stade


Referenten und Organisatoren des Fachtages (v.l): Prof. Dr. Sabine Wagenblass, Michael Leggemann, Jens Schreiber, Leiter des Amtes für Jugend und Familie des Landkreises Stade, Andreas Hohnhorst, Regionalleiter von Bethel im Norden in Stade, Luise Turowski, Geschäftsführung Bethel im Norden sowie Joachim Hamann, Koordinator im Bereich Kinder-, Jugend- und Familienhilfe von Bethel im Norden.

Niemand ist alleine krank

Nach Schätzungen von Experten leben in Deutschland rund drei Millionen Minderjährige in Familien, in dem mindestens ein Elternteil an einer psychischen Erkrankung leidet. Aus Angst, wegen ihrer Erkrankung stigmatisiert zu werden und darüber hinaus auch noch das Sorgerecht für ihre Kinder zu verlieren, begeben sich davon aber nur 15 bis 20 Prozent der betroffenen Erwachsenen in eine stationäre Behandlung.

Der Fachtag mit dem Thema „Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern“ in Stade stieß mit rund 140 Teilnehmenden auf großes Interesse. Durchgeführt wurde er von der Stader Jugendhilfe des Unternehmensbereiches Bethel im Norden in Kooperation mit dem Amt für Jugend und Familie des Landkreises Stade.

„Es ist wichtig, die psychische Erkrankung eines Elternteils offen anzusprechen, es altersgerecht zu erklären und es keinesfalls zu verschweigen“, so Referentin Prof. Dr. Sabine Wagenblass von der Hochschule Bremen. Kinder und Jugendliche nehmen ansonsten schnell die Schuld auf sich, machen sich verantwortlich für die Erkrankung und können auch nicht darüber sprechen, weil es die Eltern vorleben. Am Ende ziehen sie sich sehr in sich zurück und übernehmen häufig die Rolle des erkrankten Elternteils. Beispielsweise im Haushalt oder auch bei der Erziehung der jüngeren Geschwister.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass das Risiko der betroffenen Kinder selbst zu erkranken oder ein herausforderndes Verhalten zu zeigen, deutlich erhöht ist. „Kinder und Jugendliche benötigen einen verlässlichen, konstanten Ansprechpartner sowie ein soziales Beziehungsnetz mit Freunden, Sportvereinen und weiteren Gruppen“, erklärte Michael Leggeman, Arzt in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Ev. Krankenhauses Bielefeld.

Zudem ist es unbedingt erforderlich, dass Kinder altersgerechte Erfahrungen sammeln und sich eigene Ziele stecken können. So bauen sie, auch wenn es selbstverständlich einmal Rückschläge gibt, ein gesundes Selbstwertgefühl auf.


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