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03.06.2014

Fachtag „Wir im Quartier!“ zur Sozialraumorientierung


Experten für Inklusion „im Quartier“: (v. l.) Prof. Dr. Leo Penta, Prof. Dr. Ingmar Steinhart, Geschäftsführer Bethel.regional, und Prof. Dr. Wolfgang Hinte.

Die Ressourcen des Sozialraums, der Klienten sowie der Angebote von Bethel.regional standen im Mittelpunkt der Tagung in der Stadthalle Hagen. Foto: Paul Schulz

„Der Wille führt zur Energie des Menschen!“

Für eine gelingende Inklusion im Sozialraum müsse man nicht den hilfebedürftigen Menschen ändern, sondern das Umfeld. Prof. Dr. Wolfgang Hinte, Sozialarbeitswissenschaftler der Universität Duisburg-Essen, warb gestern (2. Juni 2014) bei einer Fachtagung von Bethel.regional in Hagen dafür, bei der Umsetzung sozialraumorientierter Angebote den Willen behinderter Menschen stärker in den Vordergrund zu stellen.

Prof. Hinte, der in Fachkreisen oft als „Vater des Konzepts Sozialraumorientierung“ bezeichnet wird, forderte eine veränderte Blickrichtung – insbesondere von der Sozialarbeit. „Wenn Sie mit Ihren Angeboten ins Feld gehen, ins Quartier, dann geht es vor allem darum, Arrangements zu gestalten, in denen möglichst viele Menschen zufrieden leben können, und zwar auf ihre Art und Weise. Dafür ist es entscheidend herauszufinden, was der einzelne Mensch will und was er mit seinen Möglichkeiten erreichen kann“, sagte er vor 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Bethel.regional in der Stadthalle Hagen.

Im Mittelpunkt der Tagung mit dem Titel „Wir im Quartier!“ standen die Ressourcen des Sozialraums, der Klienten sowie der Angebote von Bethel.regional. Für Prof. Dr. Wolfgang Hinte ist der Wille der Menschen der Schlüssel zu einer echten Inklusion. „Die Frage nach dem Willen führt auch immer zu der Energie des Menschen“, ist er überzeugt. Gleichzeitig warnte er vor einer Überbehütung. Ein „beschützendes System“ trage immer dazu bei, dass die Menschen unter ihren Möglichkeiten blieben. „Die mitleidsvolle, zupackende Art einiger Profis finde ich bedenklich“, so Prof. Dr. Wolfgang Hinte. Man müsse den Menschen mehr zutrauen. Die Qualität der Hilfeleistungen eines Trägers bestehe nicht darin, eine allumfassende Betreuung anzubieten, sagte der Leiter des Instituts für Stadtentwicklung und Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung der Universität Duisburg-Essen.

Prof. Dr. Leo Penta vom Deutschen Institut für Community Organizing der Katholischen Hochschule für Sozialwesen, findet es wichtig, die Chancen und Möglichkeiten des Umfelds eines Angebots im Sozialraum zu nutzen. „Ein inkludierendes Gemeinwesen wird erst erfahrbar, durch ein handlungsfähiges ‚Wir‘“, so der renommierte „Community Networker. Der Psychologe plädierte dafür an neuen Standorten „im Quartier“ aktiv auf die bereits ansässigen Gemeinden, Institutionen, Vereine und Träger zuzugehen. Sein Ratschlag für Bethel: „Schauen Sie über den Tellerrand ihrer Einrichtungen und nutzen Sie die Gelegenheiten im Stadtteil und in der gesamten Stadt!“


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