v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
24.05.2019

Fachtagung Autea 2019


(v. l.) Vanessa Wolff, Wolfgang Ludwig, Marieke Conty, Thomas Feilbach, Stefan Teich und Miriam Reinhardt bilden das Autea-Team. Fotos: Paul Schulz

Passiv, introvertiert, unerreichbar – diese Attribute werden Menschen mit Autismus oft zugeordnet. Treffen diese Vorstellungen zu? Und wie kann man unter diesen Voraussetzungen Freundschaften pflegen, sich verlieben, ja sogar Partnerschaften und Familie aufbauen? Mit dem Thema „Autismus und Beziehungen“ befassten sich Experten mit und ohne Autismus auf der internationalen Fachtagung Autea, die am 22. und 23. April in der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld stattfand. Veranstalter war die Autea gGmbH, ein Fortbildungsinstitut, das von den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und dem Sozialwerk St.Georg, Gelsenkirchen, getragen wird.

Das Thema „Beziehung und Erziehung“ begleitet die prominenten Referenten des ersten Veranstaltungstags Mirco und Jason von Juterczenka schon seit vielen Jahren. „Bevor ich mich entscheide, von welchem Fußballverein ich Fan werde, muss ich die erstmal alle sehen“, stellte Jason, geboren 2005, als Sechsjähriger fest. Seitdem ist der Asperger-Autist gemeinsam mit seinem Vater unterwegs auf „Groundhopping“-Tour durch die Fußballstadien Deutschlands und des benachbarten Auslands. „Lieben ist ein Verb“ lautet die Kurzformel, die die gemeinsamen Aktivitäten der Familie, zu der natürlich auch Mutter und Schwester zählen, zusammenfasst.

Auf einen Parforce-Ritt durch die gar nicht so weit zurückreichende Autismus-Forschungsgeschichte lud Steve Silbermann die Zuhörer im vollbesetzten großen Saal der Spinnerei mit – von den frühen Beiträgen des Wiener Kinderarzts Hans Asperger, über Leo Kanner, den Begründer der Kinder- und Jugendpsychiatrie in den USA, bis in die vielfältige wissenschaftliche Arbeit zum Autismus heute. Gleichzeitig formulierte der renommierte US-Wissenschaftsjournalist die Hoffnung auf eine Zukunft, in der jeder die Assistenz erhält, die er benötigt, um bedeutungsvolle Beziehungen aufzubauen und sein maximales Potential zu entfalten.

Einen Überblick über die neurobiologischen Prozesse, die im Gehirn im Zusammenhang mit Autismus und Beziehungen stehen, verschaffte Professor Dr. Dr. Gerhard Roth, deutscher Biologe und Hirnforscher. Der italienische Psychiater und Psychotherapeut Marco Bertelli plädierte für einen personenzentrierten Ansatz in der Arbeit mit Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Die Teacch-Vertreterin Glenna Osborne informierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Möglichkeiten, den Start in das Erwachsenen- und Arbeitsleben unterstützend mitzugestalten.

Einen sehr persönlichen Abschluss der Veranstaltung markierte der Beitrag von Dr. Wenn Lawson. Der Australier, Vater von drei Töchtern und Großvater von drei Enkelinnen, gewährte Einblick in das hochkomplexe Miteinander einer achtköpfigen Familie, in der alle Mitglieder Autisten sind. Viele Autisten, so wurde deutlich, werden von den gleichen Wünschen und Vorstellungen geleitet wie Menschen ohne Autismus. Aber oftmals ist es für sie ungleich schwieriger, ihre Ziele zu erreichen.


© 2019 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel