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04.10.2016

Fetales Alkoholsyndrom


Dr. Reinhold Feldmann, Tagesklinik Walstedde.

Hohe Resonanz: Viele Interessierte kamen in die Neue Schmiede. Fotos: Elbracht

Lebenslang in der Pubertät

„Ein Glas Wein am Abend – was soll schon groß passieren?“ Vor dem immer noch weit verbreiteten Irrglauben, geringe Alkoholmengen seien in der Schwangerschaft unbedenklich, warnte Dr. Reinhold Feldmann auf dem Fachtag zum „Fetalen Alkoholsyndrom“ in Bethel. Zwar seien große Trinkereignisse besonders risikoreich, so der Mediziner von der Tagesklinik Walstedde, doch es gebe keine „Schwellendosis“ bei der Alkoholmenge.

Der Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft ist eine häufige Ursache für angeborene Fehlbildungen, geistige Behinderungen, Entwicklungs- und Wachstumsstörungen sowie für starke Verhaltensauffälligkeiten. Jedes Jahr, betonte Dr. Reinhold Feldmann in der Betheler Neuen Schmiede, werden in Deutschland mehr als 2.000 Kinder geboren, die ein so genanntes Fetales Alkoholsyndrom (FAS) aufweisen. Die Folgen begleiten die Kinder ein Leben lang – FAS ist nicht heilbar.

Die betroffenen Kinder und Jugendliche werden von ihrer Umwelt häufig als unerzogen, demotiviert, aggressiv und uneinsichtig wahrgenommen. Viele dieser herausfordernden Verhaltensweisen sind meist das Resultat auf die Anforderungen im Alltag, denen sie nicht gewachsen sind.

Anschaulich berichtete Gerlinde Fortmann, die ihre FAS-Diagnose mit sieben Jahren erhielt, von ihrem Leben mit der Behinderung. Ihr tat es gut, die Ursache für ihr Verhalten beim Namen nennen zu können. „Ich war erleichtert, darüber sprechen zu können. Auch mein Gegenüber kann sich besser darauf einstellen.“ Als Kind hatte sie Probleme in der Schule, galt als launisch und sehr emotional. Heute kann sie besser mit ihrer Situation umgehen: „Ich musste zunächst lernen, dass ich anders als die anderen bin.“ Die FAS-Auswirkungen, so die junge Frau, fühlen sich an „wie eine lebenslange Pubertät“.


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