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07.08.2014

Frühzeitige Demenz-Therapie durch neuen Biomarker


Dr. Christine Neumann, Chefärztin der Klinik für Nuklearmedizin, EvKB-Geschäftsführer Dr. Rainer Norden und Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz (r.), Chefarzt der Klinik für Neurologie, stellen die neue Diagnostik-Methode vor.

Mit einer brandneuen Diagnostik-Methode kommt das Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB) der Demenz weiter auf die Spur: Mithilfe eines leicht radioaktiven Biomarkers können Nuklearmediziner jetzt erkennen, um welche Art der Demenz es sich handelt. Für etwa jeden zehnten Demenz-Patienten hat das großen Einfluss auf seine weitere Behandlung. Das EvKB ist eines von zwei Krankenhäusern in Deutschland, das diese neue Untersuchungsmethode anbietet. Erst seit wenigen Tagen ist der neue Biomarker Florbetaben auf dem Markt. Im EvKB werden schon jetzt die ersten Patienten damit untersucht.

Der Vorteil: Patienten, deren Demenz-Erkrankung mit den bisherigen Methoden nicht genau genug abgeklärt werden konnte, bringt die nuklearmedizinische Untersuchung nun Sicherheit. Dabei wird eine leicht radioaktive Substanz injiziert. Dieser so genannte Tracer sammelt sich dort im Gehirn an, wo sich Demenz auslösende Proteine abgelagert haben, und wird am Bildschirm sichtbar. Auch wenn der Patient noch keine Symptome aufweist, kann die Diagnostik bereits die Ablagerungen des Amyloid-Proteins sichtbar machen. So erhalten die Ärzte frühzeitig wichtige Informationen über die Art der vorliegenden Erkrankung, sodass dadurch entsprechend früh eine auf den Patienten angepasste medikamentöse und therapeutische Behandlung verordnet werden kann.

Bisher waren diese Untersuchungsergebnisse nur mit einer Liquorpunktion, das heißt einem interventionellen Eingriff, möglich. Bei diesem Eingriff wird dem Patienten Nervenflüssigkeit entnommen, in der das auslösende Protein für eine Alzheimer-Demenz festgestellt werden kann. Mit dem neuen Tracer haben Nuklearmediziner nun erstmals die Möglichkeit die neurologischen Prozesse im Gehirn sichtbar zu machen.

Besonders im Hinblick auf die immer älter werdende Gesellschaft und den steigenden Anteil an Menschen mit Demenz gewinnt die neue Diagnostikmethode an Bedeutung. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) geht davon aus, dass sich die Zahl der Erkrankungen an Demenz bis 2050 von heute 1,5 Millionen auf 3 Millionen verdoppelt. Das entspricht etwa 100 neuen Fällen pro Tag. Heute schon ist Nordrhein-Westfalen das Bundesland in dem die höchste absolute Zahl an Demenzkranken gemessen wurde. Derzeit sind 320.000 Patienten in NRW von einer dementiellen Erkrankung betroffen.


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