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08.05.2018

Herzberger Gespräch: Pflege im Mittelpunkt


Pflegerat-Präsident Franz Wagner und Pflegedirektor Uwe Kropp führten durch die Veranstaltung.

Den Beiträgen der Redner schloss sich eine rege Publikumsdiskussion an. Fotos: Robert Burg

Arbeitszeiten, Fachkräftemangel und „Herzensangelegenheit“: Bei den dritten von insgesamt sechs "Herzberger Gesprächen", die in diesem Jubiläumsjahr – das Krankenhaus feiert 2018 sein 175-jähriges Bestehen – wieder aufgelegt wurden, stand das Thema Pflege im Mittelpunkt. Zu einem Austausch hatte Pflegedirektor Uwe Kropp nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeladen, sondern auch Franz Wagner, den Präsidenten des deutschen Pflegerats. Rund drei Dutzend Gäste, vornehmlich selbst Pflegekräfte, besuchten die Veranstaltung im Festsaal des Berliner Krankenhauses.

Der ausgewiesene Fachmann – selbst ausgebildeter Pfleger und seit vielen Jahren in nationalen und internationalen Gremien und Verbänden aktiv – trat an zu einer kritischen Bestandsaufnahme des deutschen Gesundheitssystems: „Viele Pflegekräfte lieben ihren Beruf, üben ihn aber nicht mehr oder nur in Teilzeit aus, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen“, stellte Franz Wagner fest. Deutschland müsse massiv in Qualifizierung und Personalausstattung investieren: „Wir sind das letzte EU-Land ohne akademische Pflegeausbildung.“

Gleichzeitig entwickele sich die Zahl der Operationen und der Einsatz intensivmedizinischer Behandlungen rasant – auch bei Hochaltrigen, bei denen man früher keine Vollnarkose gewagt hätte. Komplexe chronische Erkrankungen nehmen zu, wodurch auch mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden müssen – was wiederum schwer absehbare Wechselwirkungen hervorrufe. Somit gäbe es viele und auch neue Aufgaben für den pflegenden Berufsstand, in dem derzeit 36.000 Stellen unbesetzt seien. Bei einer konstanten demografischen Entwicklung könne der Mehrbedarf bis 2050 auf 500.000 Stellen steigen, prognostizierte Franz Wagner. Er forderte eine Neuregelung der Aufgabenverteilung, mehr Selbstverwaltung und Mitsprache in Entscheidungsgremien. „Die Politik muss jetzt, in dieser Legislaturperiode, die Weichen für die Zukunft stellen.“ Schließlich sei das Durchschnittsalter der Pflegekräfte jetzt schon sehr hoch.

„Die Pflege ist der Grundpfeiler des Gesundheitssystems“, betonte Uwe Kropp. Besorgt wies der KEH-Pflegedirektor auf aktuelle Entwicklungen hin: Der bundesweite Fachkräftemangel beträfe auch das Haus in Berlin-Lichtenberg. Das KEH habe seine Platzzahlen in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut. Zusammen mit dem steigenden Patientenalter verursache dies eine starke Zunahme der pflegerischen Leistung. Dem wirke man, so Pflegedirektor Kropp, unter anderem mit einer sinnvollen interdisziplinären Umstrukturierung entgegen. Außerdem erhielte die Belegschaft im September Verstärkung durch 15 Pflegekräfte aus den Philippinen.

 

 


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