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09.07.2015

Heute vor 75 Jahre: Widerstand gegen NS-Euthanasie


Pastor Fritz von Bodelschwingh (l.) und Pastor Paul Gerhard Braune beim Jahresfest in Lobetal 1942. Foto: Hauptarchiv Bethel

Bei einem Jahresfest-Gottesdienst in Lobetal. Foto: Archiv Lobetal

„Im Laufe der letzten Monate ist in den verschiedenen Gebieten des Reiches beobachtet worden, dass fortlaufend eine Fülle von Insassen der Heil- und Pflegeanstalten aus ‚planwirtschaftlichen Gründen‘ verlegt werden, zum Teil mehrfach verlegt werden, bis nach einigen Wochen die Todesnachricht bei den Angehörigen eintrifft. Die Gleichartigkeit der Maßnahmen und ebenso die Gleichartigkeit der Begleitumstände schaltet jeden Zweifel darüber aus, dass es sich hierbei um eine großzügig angelegte Maßnahme handelt, die Tausende von ‚lebensunwerten‘ Menschen aus der Welt schafft.“

So beginnt die einflussreiche Denkschrift gegen die Euthanasie, die Pastor Paul Gerhard Braune, Leiter der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal, heute vor 75 Jahren verfasste. Wenige Tage später wurde der Beitrag bei der Reichskanzlei in Berlin offiziell eingereicht. Im Herbst 1939 hatte das nationalsozialistische Regime mit der sogenannten „T4-Aktion“ begonnen, der planmäßigen Ermordung von behinderten und psychisch kranken Menschen. Den Krankentötungen fielen nach Schätzungen von Fachleuten bis zum offiziellen Ende der Aktion im August 1941 rund 70.000 Menschen zum Opfer. Im Geheimen wurde weiter gemordet.

Pastor Paul Gerhard Braune hatte für seine „Denkschrift für Adolf Hitler“ über Monate Informationen gesammelt, Gespräche geführt und Briefe studiert. Durch seine Kontakte in Diakonie und Kirche hatte er viele Puzzleteile zusammentragen können, mit denen aus Vermutungen schlimmste Gewissheit wurde. So konnte er viele Zahlenbelege, Personen und Anstaltsnamen im Zusammenhang mit unerklärlich vielen Todesfällen nennen.

Am 12. August 1940 wird Pastor Braune von der Gestapo verhaftet. Drei Monate blieb er in so genannter „Schutzhaft“ – der entsprechende Befehl war von Reinhard Heydrich, dem Chef von Hitlers Sicherheitspolizei, unterschrieben. Interventionen von kirchlicher Seite, auch von Fritz von Bodelschwingh, für Braunes Freilassung, nutzten zunächst nichts. Allerdings waren, weil sich die Verhaftung schnell herumgesprochen hatte, die Krankentötungen nun öffentlich.


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