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02.08.2019

Jobcenter Gütersloh und Fachhochschule der Diakonie kooperieren


Bei Sabine Luberichs (l.) im Jobcenter Gütersloh erhalten Lars und Steffi Ellefred Hilfe zur Selbsthilfe. Foto: Christian Weische

Selbsthilfe-Projekt für Langzeitarbeitslose zeigt Wirkung

Die gute Nachricht will Lars Ellefred gleich zu Beginn loswerden: „Ich habe einen Job, eine Vollzeit-Anstellung!“ Der 31-Jährige strahlt über das ganze Gesicht, als er das Arbeitszimmer von Sabine Luberichs im Jobcenter Gütersloh betritt. Auch für die Psychologin ist das ein großer Erfolg. Sie hat den psychisch erkrankten langzeitarbeitslosen Mann mit vielen intensiven Beratungsgesprächen im Rahmen eines Pilotprojektes begleitet.

Lars Ellefred ist Teilnehmer des Projektes „Hilfe zur Selbsthilfe für Arbeitslose“, das psychisch erkrankten Arbeitslosen bei der Wiedereingliederung hilft. Es wird in Kooperation von der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld-Bethel und dem Jobcenter Gütersloh durchgeführt. Die Bürgerstiftung Gütersloh fördert das Projekt mit 100.000 Euro. Die Zahl der Menschen, die aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit psychisch erkranken, ist hoch. Gleichzeitig behindern seelische Störungen den Weg zurück ins Berufsleben. „Die Betroffenen sind somit doppelt stigmatisiert“, sagt Projektleiter und -initiator Prof. Dr. Pascal Wabnitz von der FH der Diakonie.

Die entscheidende Hilfe fand Lars Ellefred im Jobcenter Gütersloh bei Sabine Luberichs. Sie bietet seit Herbst 2018 psychosoziale Beratung an. „Ich gebe Hilfen zur Selbsthilfe und fördere die Eigeninitiative. Gemeinsam mit den Betroffenen finde ich ihre Stärken und Schwächen heraus. Außerdem ermitteln wir zusammen die Faktoren, die ihnen Druck machen – sowohl die äußeren, als auch die selbst verursachten. Dann zeige ich Wege auf, diese Faktoren zu vermeiden“, erläutert Sabine Luberichs, die zusätzlich als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FH der Diakonie arbeitet.

Im Rahmen des Projektes wurden Mitarbeiter des Jobcenters in der Friedrich-Ebert-Straße geschult, Anzeichen für psychische Erkrankungen oder eine deutliche Überbelastung bei ihren Klienten zu erkennen. Bei Verdacht werden die Arbeitslosen an Sabine Luberichs weitervermittelt. „Es ist wichtig, die Hilfe möglichst früh anzubieten, um eine Verschlimmerung der Situation zu verhindern“, so Prof. Wabnitz. Die begleitete Selbsthilfe habe eine Art Brückenfunktion und vereinfache den Zugang zum Hilfesystem. „Oft werden die Betroffenen erst über unser Projekt zu einer Psychotherapie bewegt.“

Gegenwärtig nehmen 24 Jobcenter-Klienten an dem Projekt teil. Es wird von der FH der Diakonie wissenschaftlich begleitet. 26 Teilnehmer haben das Projekt bereits erfolgreich abgeschlossen. Sie haben in das Berufsleben zurückgefunden oder befinden sich erstmalig in psychotherapeutischer Behandlung. 2020 wird das Projekt, das nach dem Vorbild eines niederländischen Modells arbeitet, offiziell abgeschlossen. Anschließend soll es im Jobcenter Gütersloh fest etabliert werden – und möglicherweise bundesweit Verbreitung finden.


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