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10.09.2014

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel


Foto: Paul Schulz

Bei dem Symposium referierten und moderierten (v. l.) Sybille Fuhrmann, Carl-Friedrich-Flemming-Klinik in Schwerin, Dr. Christina Thissen, Rechtsanwältin aus Münster, Dr. Felix Segmiller, Fahreignungsgruppe an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Volker Dittmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin, Dr. Kirsten Heitland vom TÜV Hessen/Begutachtungsstelle Bielefeld, sowie Dr. Stefan Spannhorst, Dr. Stefan Kreisel und Prof. Dr. Martin Driessen von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel. Foto: Reinhard Elbracht

Immer wieder gefragt: Darf ich Auto fahren?

Die Fahreignung bei psychiatrischen Erkrankungen und Epilepsie war jetzt das Thema eines multiprofessionellen Fachtreffens in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bielefeld-Bethel. Immer wieder werden Ärzte im stationären Klinikalltag oder in der ambulanten Praxis von ihren Patienten gefragt, ob sie sich ans Steuer eines Fahrzeugs setzen dürfen – eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist.

Eine Dauerbehandlung mit einem Antidepressivum schließe eine Teilnahme am Straßenverkehr nicht automatisch aus, stellte Dr. Felix Segmiller von der Fahreignungsgruppe an der Ludwig-Maximilians-Universität München fest. Da die medikamentöse Behandlung oft zu einer Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten beitrage, sei die Fahreignung eines behandelten Patienten günstiger einzuschätzen als die eines unbehandelten.

Auch bei einer leichten Demenz könne die Fahreignung positiv eingeschätzt werden, wenn es keine besonderen Auffälligkeiten gebe, so Prof. Dr. Volker Dittmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin. Der Übergang zwischen unvermeidbarem, erlaubtem und nicht erlaubtem Risiko werde diskutiert, es gebe hier eine breite Grauzone. Listen mit bekannten Risikofaktoren für die Fahreignung tragen zu einer objektiven Klärung und Veranschaulichung gegenüber den Betroffenen bei – sie werden in fachlich modifizierter Form auch in der Gedächtnissprechstunde der Psychiatrischen Institutsambulanz Bethel verwendet.

Für Menschen mit Epilepsie sind klare Regelungen getroffen. So darf ein Kraftfahrzeug der Gruppe 1 steuern, wer ein Jahr lang anfallsfrei war. Lkw- und Busfahrer müssten fünf Jahre anfallsfrei gewesen sein, erläuterte Dr. Ulrich Specht, leitender Arzt der Rehabiliationsabteilung im Epilepsie-Zentrum Bethel. Ausführliche Informationen zur Fahreignung bei Epilepsie gibt es im Internet als Download.(Zum Download)

Ärzte müssen ihre Patienten über Medikamente und deren Folgen für die Fahreignung aufklären. Andernfalls begehen sie einen Behandlungsfehler. Grundsätzlich gilt die Schweigepflicht; ist aber ein Patient uneinsichtig, darf der Arzt im Ausnahmefall Dritte informieren, wenn eine akute Gefährdungslage vorliegt. Es gilt der „rechtfertigende Notstand“. Der Arzt müsse aber zunächst mit dem Patienten sprechen, so Rechtsanwältin Dr. Christine Thissen aus Münster. Ärzte hätten dann das Recht, aber nicht die Verpflichtung, Informationen weiterzugeben. Letztendlich trägt der Verkehrsteilnehmer die Veranwortung: Er macht sich bei fehlender Fahreignung strafbar.


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