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27.03.2015

Mehr Verständnis für Patienten mit Demenz


Die Herausgeber und Projektbeteiligten beim offiziellen Start von „Lern von mir“: (v. l.) Dr. Bernd Meißnest, Gerontopsychiatrie-Chefarzt des LWL-Klinikums Gütersloh, Dipl.-Päd. Maren Baumeister, Evangelisches Krankenhaus Bielefeld, sowie Dr. Rüdiger Noelle und Prof. Dr. Michael Löhr von der FHdD. Foto: Paul Schulz

Trainingsprogramm "Lern von mir"

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 25 Prozent aller Krankenhaus-Patienten eine Demenz haben. Auf diese Situation reagiert jetzt die Fachhochschule der Diakonie (FHdD) in Bielefeld mit dem Trainingsprogramm „Lern von mir“. Das Programm soll Mitarbeitern in Akutkrankenhäusern den Umgang Patienten mit Demenz erleichtern. Es wurde bereits mit großem Erfolg in England eingesetzt. Ein Team der FHdD hat es nun für den deutschsprachigen Raum übersetzt. Der Bedarf ist voraussichtlich groß. Krankenhäuser in ganz Deutschland haben es bereits angefragt.

Im Krankenhaus zu sein kann für jeden Menschen eine beunruhigende und verwirrende Situation sein. Für Menschen mit Demenz ist ein Aufenthalt in einem Akutkrankenhaus aber besonders problematisch. Die Betroffenen verlieren in der ungewohnten Umgebung oft die Orientierung und haben Angst. Sie sind kognitiv eingeschränkt, können sich nicht eindeutig mitteilen oder zeigen schwierige Verhaltensweisen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Allgemeinkrankenhäusern sind mit solchen Situationen und im Umgang mit demenzkranken Menschen häufig überfordert – auch weil ihnen das nötige Wissen und Verständnis für diese Erkrankung fehlt. „Menschen mit Demenz passen nicht in die streng geregelten Abläufe in Allgemeinkrankenhäusern. Es kommt zwangsläufig zu Problemen“, sagt Prof. Dr. Michael Löhr von der FHdD.

Diese Probleme haben oft direkte Folgen für die Behandlung und Heilung von Patienten mit Demenz. Es gilt als erwiesen, dass Krankenhaus-Patienten mit Demenz häufiger an mangelnder Ernährung oder Flüssigkeitsversorgung leiden, ein Delir entwickeln, unzureichend mit Schmerzmitteln versorgt werden oder längere Krankenhausaufenthalte haben, als Patienten ohne diese Grunderkrankung.

„Das Trainingsprogramm `Lern von mir` soll Mitarbeitern in Akutkrankenhäusern helfen zu verstehen, was eine Demenz bedeutet. Und es soll die Unterstützung der Betroffenen erleichtern und verbessern“, erklärt Prof. Löhr.

Entwickelt wurde das Porgramm von John Keady, Professor für Gerontopsychiatrische Pflege an der Universität von Manchester. Ein Team der FHdD hat das Programm in einem zweijährigen Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Löhr, Lehrstuhl Psychiatrische Pflege, für den deutschsprachigen Raum übersetzt.

Der Bedarf für die Trainingsmaterialien ist erheblich – allein schon wegen der Zahlen: In Deutschland leben gegenwärtig mehr als 1,4 Millionen Demenzkranke – Tendenz steigend. Für das Jahr 2050 werden 3 Millionen Erkrankte erwartet

Das Programm bietet unkomplizierte und umsetzbare Vorschläge für die Pflege von Menschen mit Demenz in Allgemeinkrankenhäusern. „Dabei geht es um eine sinnvolle und praxisnahe Verknüpfung von Psychiatrie und Somatik auf diesem Gebiet“, sagt Prof. Dr. Michael Löhr. Die Materialien bestehen aus sechs Trainingsmodulen. In allen Modulen spielen Menschen mit Demenz als Experten in eigener Sache eine zentrale Rolle. Sie berichten teilweise in Videos über ihre Erkrankung und ihre Erfahrungen in Krankenhäusern.

Das Trainingsprogramm kann jetzt kostenlos unter www.lernvonmir.fh-diakonie.de heruntergeladen werden. Gefördert wird das Projekt von dem LWL Klinikum Gütersloh sowie der Robert-Bosch-Stiftung und maßgeblich unterstützt von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Ev. Krankenhaus Bielefeld.


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