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18.07.2017

Mit Leib und Seele krank?


Über psychiatrische und somatische Mehrfacherkrankungen referierten (v.l.) Prof. Dr. Friedel Reischies, Friedrich-von-Bodelschwingh-Klinik Berlin, Prof. Dr. Gerhard Längle, Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie zfp Südwürttemberg, Prof. Dr. Georg Juckel, LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin, Prof. Dr. Michael Schulz, Fachhochschule der Diakonie Bielefeld, Prof. Dr. Martin Driessen, Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, LVR-Klinik Köln, Prof. Dr. Claudia Hornberg, Universität Bielefeld, Prof Dr. Ingmar Steinhart, Bethel.regional, Claus Freye, Bethel im Norden und Prof. Dr. Günther Wienberg.

Zu der Tagung in Bielefeld-Bethel kamen Psychiatrie-Experten aus dem gesamten Bundesgebiet.

"Stigmatisierung nimmt Betroffenen Würde und verhindert volle gesellschaftliche Integration", sagte Dr. Elke Prestin, selbst psychitarie- erfahren, bei der Podiumsdiskussion. Fotos: Schulz.

Fachtagung Psychiatrie

Menschen mit psychiatrische Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Mehrfacherkrankungen. Das zeigen verschiedene Studien, die jetzt bei der Fachtagung Psychiatrie in Bethel vorgestellt wurden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Symptome psychischer Störungen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Lebensstil und Ernährung, genetische Einflüsse, gesundheitsbezogene Faktoren und soziale Exklusion. So kann beispielsweise eine Depression zu somatischen Symptomen wie Appetitverlust, Verdauungsschwierigkeiten und damit Gewichtsverlust führen. Das hat Folgen für den Körper und weitere Erkrankungen wie Diabetes sind möglich, wie unter anderem Prof. Dr. Martin Driessen, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB), in seinem Vortrag deutlich machte.

Der Fachausschuss Psychiatrie veranstaltete die zweitägige Fachtagung „Mit Leib und Seele krank?“, die im Rahmen des 150-jährigen Bethel-Jubiläums stattfand, in der Neuen Schmiede. Rund 150 Expertinnen und Experten diskutierten zum Thema psychiatrische und somatische Mehrfacherkrankungen, Sterblichkeit sowie soziale Ungleichheit und zeigten Perspektiven für bessere Versorgungskonzepte und -strukturen auf. „Auf die Mehrfachbelastung mit Erkrankungen ist unser Gesundheits- und Sozialsystem nur unzureichend eingestellt, die durchschnittliche Lebenserwartung psychisch kranker Menschen ist unter anderem deshalb deutlich niedriger als in der Allgemeinbevölkerung“, so Prof. Wienberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Die Expertinnen und Experten sind sich einig, dass Somatik und Psychiatrie enger zusammenarbeiten müssen. Wie das funktionieren kann, zeigt zum Beispiel die Delir-Prävention im EvKB und im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Berlin. Dort bringt speziell geschultes Pflegepersonal Erkenntnisse aus der Gerontopsychiatrie in die somatische Klinik ein, um den Verwirrtheitszustand, den vor allem Patientinnen und Patienten im höheren Alter bei Krankenhausaufenthalten erleiden, vorzubeugen. Außerdem seien niedrigschwellige und multiprofessionelle Angebote sowie die Erfahrung von Betroffenen nötig, um Menschen mit psychischen Erkrankungen den Zugang zur Versorgungsstruktur zu erleichtern.


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