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05.07.2016

Mitgliederversammlung des "Hospiz e.V., Bethel"


Prof. Dr. Rita Süssmuth betonte in ihrem Vortrag die gesellschaftliche Bedeutung von Ehrenamt.

Etwa 90 Mitglieder nahmen an der Versammlung des "Hospiz e.V., Bethel" teil. Fotos: Paul Schulz

Rita Süssmuth plädierte fürs Ehrenamt

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth hielt bei der Mitgliederversammlung des Ambulanten Hospizdienstes „Hospiz e.V., Bethel“ einen Vortrag zum Thema „Ehrenamt und Sterbebegleitung“ in der Neuen Schmiede in Bielefeld-Bethel. In ihrer Rede betonte Prof. Dr. Süssmuth, wie wichtig soziales Engagement sei und kritisierte gleichzeitig, dass Ehrenamt in Deutschland nicht genug gefördert und wertgeschätzt werde.

„Das Ehrenamt ist öffentliche, gesellschaftliche und politische Arbeit. Es ist der Sauerteig unserer Gesellschaft“, so die Politikerin. Sie ermunterte die Ehrenamtlichen sich gegenüber den Hauptamtlichen zu „behaupten“. Leider sei die Haltung sehr verbreitet, dass die Hauptamtlichen die „Kompetenten“ und die Ehrenamtlichen nur „Mitläufer“ seien. „Wissen allein reicht aber nicht aus, um weise Entscheidungen zu treffen, es kommt vielmehr auf die innere Haltung und Erfahrung an“, sagte Prof. Dr. Süssmuth.

„Wir müssen das Ehrenamt erhalten, aber nicht zu diesen Bedingungen. Wer Leistung erbringt, hat auch ein Recht auf soziale Sicherung.“ Mit Beifall stimmten die rund 90 Besucherinnen und Besucher ihr zu. Prof. Dr. Rita Süssmuth motivierte die Ehrenamtlichen, nicht aufzugeben, Forderungen zu stellen. In ihrer langjährigen Politiklaufbahn habe sie mehrere Anläufe nehmen müssen, um Entscheidungen durchzusetzen. „Rückblickend sind oft die schwierigsten Momente in der Politik die gewesen, die mich am meisten bereichert haben“, so Prof. Dr. Süssmuth. Denn auch wenn es am Anfang frustrierend gewesen sei, sei durch Diskussionen etwas in Gang gebracht worden.

„Als ich anfing mich in der Politik zu engagieren, war das Thema „Sterben“ noch tabu“, erinnerte sie sich. Das habe sich mit der Hospizbewegung in den 1970er Jahren geändert. Aber auch heute stünde die Palliativmedizin noch am Anfang. Im Medizinstudium bekomme sie zu wenig Beachtung, bemängelte die ehemalige Bundestagspräsidentin. „Warum aber werden lebenswichtige Fragen in der Medizin ausgegrenzt?“ Dabei hätten sterbende Menschen die größte Angst davor, allein zu sein. „Deshalb ist die Arbeit der ehrenamtlichen Sterbebegleiter auch so wichtig. Sie sind für die Menschen da“, erkannte die Politikerin an.


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