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19.07.2013

Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation


Das multiprofessionelle Team und die Hilfsmittel (v.l.): Sabine Obermann, Diplom-Psychologin, Sabine Behrend, Psycholinguistin, Detlef Thiel-Rohwetter, Kommunikationspädagoge und Manuel Eisbrenner, Heilpädagoge.

Kommunikation mit dem Talker: Der Computer spricht ganze Sätze auf Befehl. Foto: Paul Schulz

Wenn Worte meine Sprache wären…

Bereits im Kleinkindalter verlor die amerikanische Schriftstellerin Helen Keller durch eine Hirnhautentzündung ihr Augenlicht und Gehör. Die Geschichte, wie sie dennoch die Sprache entdeckte, gehört sicherlich zu den eindrucksvollsten. Das Mädchen machte zwar Zeichen, um sich mitzuteilen, aber niemand verstand es. Eine Lehrerin brachte ihr dann das Fingeralphabet bei. Es brauchte eine Zeit, bis Helen Keller begriff, dass die Zeichen Gegenständen zuzuordnen sind. Der Moment der Erkenntnis war die große Wende in ihrem Leben. Endlich konnte sie kommunizieren und sich mit anderen Menschen austauschen.

Ein unbeschreiblicher Moment sei es für die Menschen, wenn sie erstmals erlebten, dass sie verstanden würden, sagt Detlef Thiel-Rohwetter. „Man muss sich einmal vorstellen, wie das ist, wenn ich mich nie mitteilen und keinen Wunsch äußern kann. Sprache ist auch dazu da, die Umwelt zu beeinflussen. Wenn das nicht gelingt, habe ich ein riesiges Problem“, betont der Klinische Linguist und Kommunikationspädagoge. Solche Glücksmomente wollen er und seine Kolleginnen und Kollegen möglichst vielen Menschen ermöglichen. Jetzt eröffneten sie in Bielefeld-Bethel die erste Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation (BUK), die sich sowohl an erwachsene Menschen als auch an Kinder und Jugendliche wendet.

„Sprache hat eine Schlüsselfunktion, um Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen“, unterstreicht Prof. Dr. Michael Seidel, ärztlicher Direktor in Bethel. „Wer sich nicht mitteilen kann, ist dem Deutungsmuster anderer Menschen ausgesetzt.“ Die Anderen bestimmen, was für einen gut und richtig ist. Die Leiterin der neuen Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation, Sabine Behrend, ergänzt: „Ohne Kommunikation ist Selbstbestimmung nicht möglich.“Insofern trage die neue Beratungsstelle zur Inklusion von Menschen bei, die kaum, wenig oder gar nicht lautsprachlich kommunizieren, so die Psycholinguistin.

Von dem Angebot profitieren Menschen, die wegen einer angeborenen Behinderung nicht sprechen können oder die beispielsweise durch einen Schlaganfall ihre Sprache plötzlich verloren haben. Auch Menschen, die aufgrund von chronischen Prozessen, wie Demenz oder Muskeldystrophie fortschreitend ihre lautsprachlichen und schriftsprachlichen Ausdrucksfähigkeiten verlieren, gehören dazu. Damit sie trotzdem mit anderen „reden“ können, bietet ihnen das multiprofessionelle Team der BUK eine breite Palette an Alternativen an. Das sind beispielsweise verabredete Handzeichen und Augenbewegungen, Kommunikationstafeln oder hoch komplexe Geräte wie Sprachcomputer.

„Es gibt nicht die eine Lösung für alle. Die Methoden sind ganz individuell“, sagt Sabine Behrend. Wie und womit die Betroffenen mit ihrem Umfeld kommunizieren, orientiere sich am Bedarf der Klienten und an ihren intellektuellen Fähigkeiten. „Es nützt nichts, einem Menschen eine sündhaft teure Ausstattung zukommen zu lassen, die er nicht bedienen kann. Dann steht der Nutzen im umgekehrten Verhältnis zu den Kosten“, stellt Prof. Dr. Michael Seidel klar. Auch müssten die Angehörigen und Pflegenden mit ins Boot genommen werden. „Wenn jemand tolle Zeichen machen kann, die keiner kennt, hat er nichts davon.“

Die neue Beratungsstelle in der Trägerschaft der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel ist ein offenes und unabhängiges Angebot. Die Einrichtung wird von der Aktion Mensch vier Jahre lang gefördert. Sie ist die einzige in Ostwestfalen-Lippe, die für alle Altersgruppen zuständig ist. Das Angebot richtet sich an die Betroffenen selbst und an Menschen, die privat oder beruflich mit ihnen zu tun haben.

Kontakt:

Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation
Remterweg 58
33617 Bielefeld

Terminabsprachen unter Telefon: 0521 144-2627 und E-Mail: buk[at]bethel.de

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