v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
 
Spenden
Suchen
18.08.2015

Neue Herausforderungen in der Kinder- und Jugendmedizin – 300 Ärzte tagen in Bielefeld


Organisatoren und Referenten: Oberärztin Dr. Claudia Khurana und Chefarzt Prof. Dr. Eckard Hamelmann organisierten die Pädiatrietage, Dr. Hans-Georg Bresser (links), Leitender Oberarzt, und Diplom-Ingenieur Johannes Bresser (rechts) hielten den Einführungsvortrag zum Thema Risikomanagement.

Prof. Dr. Eckard Hamelmann begrüßt die Gäste in der Ravensberger Spinnerei. Fotos: Manuel Bünemann

300 Ärztinnen und Ärzte, Mitarbeiter aus der Pflege und Therapeuten haben jetzt bei den ersten „Bielefelder Pädiatrietagen“ neue Herausforderungen im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin in den Fokus genommen. Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Kinderzentrum Bethel, das zum Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB) gehört, hatte die Fortbildungsveranstaltung mit 55 Referenten aus dem EvKB und externen Einrichtungen, 41 Fachvorträgen und 19 Kursen in der Ravensberger Spinnerei initiiert und organisiert. Neue Volkskrankheiten im Kindes- und Jugendalter sowie die Versorgung junger Patienten mit Migrationshintergrund, die durch die gestiegene Zahl von Flüchtlingen an Bedeutung gewinnt, waren Kernthemen der dreitägigen Fortbildung.

Die derzeitige Einwanderungs- und Flüchtlingswelle stellt Deutschland vor vielfältige Herausforderungen – eine davon ist die medizinische Versorgung der Betroffenen, insbesondere auch von Familien mit Kindern und Säuglingen. Familien mit mehreren Kindern, die sich bislang vollständig außerhalb eines gut organisierten und durch Impfung und Vorsorgen strukturierten Gesundheitssystems bewegt haben, erreichen oft ohne Verständigungsmöglichkeit die Notfallambulanzen und Kliniken in Deutschland. „So werden wir als Ärzte mit fast schon vergessenen oder hier noch weitgehend unbekannten Infektionskrankheiten konfrontiert, mit massiven sozialen Problemen der Verständigung, der Unterbringung und des kulturellen Hintergrundes sowie auch ganz trivialen Problemen des Versicherungsschutzes“, berichtet Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im EvKB und wissenschaftlicher Leiter der Pädiatrietage.

Zu Allergien, Adipositas und der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). bringt Prof. Hamelmann seine Erfahrungen als Partner des vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts „NIKI – Neue Krankheiten im Kindes- und Jugendalter“ ein, bei dem in den kommenden anderthalb Jahren an 600 erkrankten Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren untersucht werden soll, wie diese Erkrankungen entstehen und wie es sich mit ihren Wechselwirkungen verhält. Eng damit verbunden werden auch Schlafstörungen, Ernährungsgewohnheiten und Stressverarbeitung der Kinder untersucht. Kennzeichnendes Merkmal dieser Erkrankungen ist das Wechselspiel zwischen genetischen Faktoren, Umweltbedingungen und Lebensweisen. Die Wissenschaftler versprechen sich von NIKI wertvolle Informationen über diese chronischen Krankheiten und ihre Kombination, eine bessere Diagnostik und dadurch einen direkten Nutzen durch effektive Vorsorge und Behandlung. „Alle diese Erkrankungen stellen aufgrund ihrer Häufigkeit und ihres Anstiegs zum einen eine gesundheitspolitische Herausforderung in Bezug auf Versorgung und Finanzierung dar. Zum anderen ziehen sie gesundheitliche Risiken und Folgeerkrankungen im weiteren Lebenslauf der Kinder und Jugendlichen nach sich und markieren demnach häufig den Beginn von sogenannten "Krankheitskarrieren". Insofern hat das NIKI-Projekt auch eine demografische und perspektivische Komponente“, erklärt Prof. Hamelmann die Wichtigkeit des Projekts.


© 2019 v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel