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21.03.2019

Projekt "Klinik inklusiv" abgeschlossen


Den Projektabschluss feierten (v. l.) Pastor Dr. Bartolt Haase, theologischer Vorstand der Stiftung Eben-Ezer in Lemgo, Christel Friedrichs, Geschäftsführerin der Diakonischen Stiftung Ummeln, Christoph Schmidt, Pflegedirektor im EvKB, Prof. Dr. Doris Tacke, Christian Henning, Referent der Geschäftsführung von Bethel.regional, und FHdD-Rektorin Prof. Dr. Hilke Bertelsmann

Susanne Just (l.) und Angela Prüfer stellten ihre Ergebnisse vor.

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten den Projektabschluss im Haus Groß-Bethel, dem Hauptsitz der FHdD. Fotos: Paul Schulz

"Die Infusion zuerst beim Stofftier anlegen"

„Menschen mit Behinderungen müssen sich im Krankenhaus sicher fühlen. Sonst ist keine Behandlung möglich.“ Das sei die wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt „Klinik inklusiv“, resümierte Prof. Dr. Doris Tacke Mitte März beim Abschluss des Forschungsprojektes in der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld-Bethel. In der von ihr geleiteten Praxisstudie wurde untersucht, inwieweit Pflegeexperten die Klinikaufenthalte behinderter Menschen durch „prästationäre Besuche“ verbessern.

Für Menschen mit komplexen Behinderungen sind stationäre Aufenthalte besonders belastend. Das ungewohnte Umfeld, die Behandlungssituationen, schwer verständliche Abläufe und fremde Menschen verursachen oft Ängste und Orientierungslosigkeit. Die Ergebnisse aus „Klinik inklusiv“ belegen, dass Informationen aus dem Alltag der Patienten den Kliniken helfen, die Aufenthalte deutlich besser vorzubereiten und Ängste zu vermeiden.

Die Pflegeexpertinnen Angela Prüfer und Susanne Just haben in dem dreijährigen Projekt 43 Menschen mit komplexen Behinderungen vor ihrem Klinikaufenthalt in ihrem vertrauten Umfeld besucht – überwiegend in Betheler Wohneinrichtungen. Dort ermittelten sie die Gewohnheiten der Patienten, ihre besonderen Ängste, ihren Bedarf an Hilfsmitteln und ihre Kommunikationsmöglichkeiten. Die gesammelten Informationen aus ihren „Hausbesuchen“ gaben die Pflegeexpertinnen vor der Patienten-Aufnahme an die jeweiligen Krankenhäuser weiter – das Krankenhaus Mara oder die Klinik für Neurochirurgie des Ev. Klinikums Bethel.

Durch die Vorabinformationen wussten die Pflegenden zum Beispiel rechtzeitig schon vor der Ankunft des Patienten, ob er keine körperliche Nähe mag, auf welche Anrede er reagiert oder in welchen Situationen für ihn besonders viel Stress entsteht. Die Pflegenden begleiteten die Patienten bei den Behandlungen. „Die erhaltenen Informationen halfen ihnen, bestimmte Verhaltensweisen zu deuten. Sie erkannten beispielsweise an der Tonhöhe beim Lautieren oder an der Art, wie jemand sein Stofftier hält, ob ein Patient überlastet ist“, schilderte Prof. Tacke. Die Pflegenden verhinderten so, dass Patienten mit Behinderungen in Angst oder in Panik versetzt werden. Oft seien es vermeintliche Kleinigkeiten gewesen, die bei der Behandlung geholfen hätten. „Eine Infusion wurde zuerst bei dem Stofftier angelegt. Erst danach war das auch beim Patienten möglich“, nannte sie ein Beispiel.

Die Projektbeteiligten stellten auch fest, dass die Vorbereitung und Begleitung durch die Pflegeexpertinnen bei den Patienten Vertrauen schaffte. Viele Behandlungen seien nur so möglich gewesen.

Als Ergebnis aus „Klinik inklusiv“ fordern die Projektpartner, dass große Krankenhäuser klinische Pflegexpertinnen und -experten beschäftigen. Außerdem wurde eine Bildungsreihe entwickelt, die ab Herbst an der FHdD startet. Sie richtet sich an alle Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die mit Menschen mit komplexer Behinderung arbeiten.

Die FHdD führte das „Forschungsprojekt zur barrierearmen und bedürfnisorientierten Versorgung von Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen im Krankenhaus“ gemeinsam mit dem Ev. Klinikum Bethel (EvKB) und dem Krankenhaus Mara durch. Kooperationspartner waren neben Bethel.regional die Stiftung Eben-Ezer, die Diakonische Stiftung Ummeln und die Bielefelder Gemeinschaftspraxis Hartmann und Thomzik. Förderer und Träger des Projektes war die Stiftung Wohlfahrtspflege.


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